Damen: 1. Runde - 2. Runde - 3. Runde - Viertelfinale bis Finale
Herren: 1. Runde - 2. Runde - 3. Runde - Achtelfinale - Viertelfinale bis Finale
- Partien: fidewm_41.pgn, fidewm_42.pgn
- Offizielle Seite: wcc2001.fide.com
1. Tag
Im Achtelfinale sind die bekannten Namen praktisch unter sich. Schade, dass es kein Außenseiter so weit gebracht hat Schach ist scheinbar doch kein Glücksspiel. Obwohl dies bei Topalow-Schirow heute beinahe den Anschein hatte. Schirow behandelte eine anfangs gute Stellung offensichtlich ganz falsch und stand auf Verlust. Am Ende gewann er fast noch. Ebenfalls wechselhaft ging es bei Lautier-Nikolic zu, wo der Franzose seinen Eröffnungsvorteil alsbald gegen Nachteil eintauschte. Thomas Luther, mit dem ich die Partien über weite Strecken verfolgte, äußerte viel Verständnis für seine Großmeisterkollegen, die durch die anstrengenden Runden jetzt schon fix und fertig seien. Ihm selber steckten die beiden Matches gegen Wolkow und Smirin Tage später immer noch in den Knochen. Zur Bestätigung seiner These wird der Erfurter morgen doch schon zur Erholung nach Hause reisen, obwohl er ursprünglich noch einige Tage mehr in Moskau anhängen wollte.
Trotzdem verdienen m. E. auch Boris Gelfand (gg. Asmaiparaschwili) und Peter Swidler (gg.Adams) Kritik. Weil sie mit Bauernverlusten in der Eröffnung den fieberhaft das Geschehen verfolgenden Lew Psachis quälten, der 500 Dollar auf sie gesetzt hatte. Ye Jiangchuan wurde nach allen Regeln der Kunst von Iwantschuk ausgespielt. Vielleicht wird dies ja endlich Wassilis WM, nachdem er bei den drei vorangegangenen K.o.-Titelkämpfen jeweils früh die Segel streichen musste. Oder die von seinem Landsmann Ruslan Ponomarjow. Ich sollte Psachis den Rat geben, auf den 18-jährigen Ukrainer zu setzen. Oder es besser selber tun. Er, der heute Morosewitsch keine Chance ließ, scheint seine Megaform von der Mannschafts-WM in Jerewan konserviert zu haben. Ein ganz heißer Titelanwärter.
Heute wurde ich von den Kremlwächtern sogar ins Pressezentrum vorgelassen, da ich mir irgendwo am anderen Ende der Stadt (Prospekt Mira, Olympischer Komplex, nördlicher Diensteingang, -10 Grad Celsius; schöne Grüße an etwaige nachreisende Kollegen) eine Akkreditierung besorgen konnte. Gestern konnte mir dies trotz mehrstündiger Bemühungen trotz Vorlage diverser Papiere naturgemäß nicht gelingen, weil so etwas in Russland an einem Sonntag nun mal nicht geht. Da bedarf es auch keiner weiterer Erklärungen. Im Pressezentrum sah ich schließlich Wassili Smyslow sowie erstmals in meinem Leben Boris Spasski, der sich sonst kaum noch auf den großen Turnieren blicken lässt. Weitere Weltmeister gibt es morgen zu bestaunen, wenn bei der Fide Ruhetag ist und sich das allgemeine Interesse auf die heute pausierenden Kramnik und Kasparow richtet. Dirk Poldauf, Moskau
2. Tag
Um es vorwegzunehmen: Es war ein überaus spannender Tag bei der Knockout-Weltmeisterschaft im Moskauer Kreml. Die Zuschauermassen sahen nach den regulären Partien allein acht Tiebreaks. Ohne Verlängerung kam Vishy Anand aus, der Alexej Drejew auf elegante Art und Weise auskombinierte. Weniger elegant ging es bei Schirow-Topalow zu, da beide Haudegen mehr mit dem Säbel als dem Degen hantierten. Ein schönes Bild war, wie Topalow-Sekundant Danailow mit dem Pocketfritz in der ersten Reihe saß und neben ihm aufgereiht fünf Kriegsveteranen mit viel Lametta. Schirow setzte sich nach dramatischem Verlauf erst in der Blitzpartie durch und trifft im Viertelfinale auf Anand. So hieß zuletzt in Teheran das Finale! Jewgeni Barejew und Wassili Iwantschuk machten in der zweiten Normalpartie gegen Jaan Ehlvest und Ye Jiangchuan alles klar.
Warten auf Gelfand hieß es zu Beginn der Tiebreaks. Als der Israeli mit der unvermeidlichen Isostar-Flasche im Turniersaal auftauchte, waren auf seiner Uhr schon vier der insgesamt zwanzig Minuten (+ 20 Sek Bonus pro Zug) abgelaufen. Doch Boris nahm Platz und gewann mit Schwarz. Asmai kam nochmal zurück, doch Gelfand gewann die nächste Partie mit Damenopfer und ließ ein spannendes Remis folgen.
Joel Lautier zog gegen Predrag Nikolic glatt in die nächste Runde ein. Peter Swidler konnte den Widerstand von Michael Adams in der vierten Schnellpartie brechen.
Ruslan Ponomarjow hatte die klassische Partie heute gegen Alexander Morosewitsch verloren, doch den Tiebreak dominierte er. Höhepunkt des Tages sein Abgang über die Treppe, als er seine Freude in sich hinein(!)schrie. Ich brachte es nicht über mich, auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Der Jungstar sah wirklich übel aus. So ein Tiebreak scheint unglaublich an den Kräften zu zehren. Die Jungs waren ihr Geld heute allesamt wert.
Auch die Mädels im übrigen, bei denen gleich drei von vier Matches in die Verlängerung gingen. Die Chinesinnen Zhu Chen und Xu Yuhua setzten sich dabei gegen Nino Khurtsidze (erst im Blitz) bzw. Pähtz-Bezwingerin Christina Foisor durch. Und Maja is back! Die georgische Ex-Weltmeisterin, die dieses Turnier mit Hut bestreitet, schlug die in Holland lebende Chinesin Peng Zhaoqin im Schnellschach. Bereits in der normalen Partie hatte sich die junge Russin Alexandra Kostenjuk souverän über Almira Skriptschenko-Lautier hinweggesetzt. Kommt die neue Weltmeisterin aus Europa oder China? Die Chancen stehen 50:50.
Wenige Kilometer entfernt trennten sich im Kolonnensaal des Hauses der Gewerkschaften Kasparow und Kramnik nach 19 Zügen remis. Dirk Poldauf, Moskau
| 1. Tag | 2. Tag | 25' | |||
| Viswanathan Anand (Ind, 2797, 1) | - | Alexej Drejew (Rus, 2690, 17) | remis | 1-0 | |
| Michael Adams (Eng, 2744, 2) | - | Peter Swidler (Rus, 2695, 15) | remis | remis | 1,5-2,5 |
| Alexander Morosewitsch (Rus, 2739, 3) | - | Ruslan Ponomarjow (Ukr, 2684, 19) | 0-1 | 1-0 | 0,5-1,5 |
| Wassili Iwantschuk (Ukr, 2731, 4) | - | Ye Jiangchuan (China, 2677, 20) | 1-0 | remis | |
| Predrag Nikolic (Bos, 2652, 28) | - | Joel Lautier (Fra, 2675, 21) | remis | remis | 0-2 |
| Jewgeni Barejew (Rus, 2719, 6) | - | Jaan Ehlvest (Est, 2627, 43) | 1-0 | 1-0 | |
| Boris Gelfand (Isr, 2704, 7) | - | Surab Asmaiparaschwili (Geo, 2674, 23) | remis | remis | 2,5-1,5 |
| Wesselin Topalow (Bul, 2711, 8) | - | Alexej Schirow (Spa, 2706, 9) | remis | remis | 2-3 |