Fide-Weltmeisterschaft


Finale

- Offizielle Seite: wcc2001.fide.com
- Partien im pgn-Format: wm_final.pgn

Der neue Weltmeister kommt aus der Ukraine. Vom 16. bis 25. Januar kämpfen Wassili Iwantschuk und Ruslan Ponomarjow in Moskau in einem Match über acht Partien um die Nachfolge von Viswanathan Anand. Bereits die erste Partie endete mit einem Paukenschlag. Nach  nur 23 Zügen musste sich Wassili Iwantschuk geschlagen bekennen. Die fünfte Partie könnte eine Vorentscheidung gebracht haben. In einer Spanischen Partie erlangte Iwantschuk als Nachziehender großen Vorteil und stand um den 40. Zug herum auf Gewinn. Doch dann verließen den Mann aus Lwow seine Nerven, und er verdarb seine Stellung sogar noch zum Verlust. Ruslan Ponomarjow genügen aus den drei letzten Partien zwei Unentschieden, um mit 18 Jahren als jüngster Weltmeister der Schachgeschichte gekrönt zu werden.

Ruslan Ponomarjow ist neuer Fide-Weltmeister! Er konnte die siebente Partie - eine Aljechin-Verteidigung - remis halten und gewann damit das Finalmatch vorzeitig mit 4,5-2,5.

Der WDR berichtet in zwei weiteren Sendungen über das Finale der Fide-Weltmeisterschaft: am 23. Januar (Nacht zum 24. Januar) 0:40-1:30 Uhr (Wiederholung am 24. Januar um 9:40 Uhr) und am 27. Januar (Nacht zum 28. Januar) 0:00-0:45 Uhr (Wiederholung am 28. Januar um 9:20 Uhr).

1 2 3 4 5 6 7 8 gesamt.
Wassili Iwantschuk 0 = = = 0 = = 2,5
Ruslan Ponomarjow 1 = = = 1 = = 4,5

Halbfinale

Viswanathan Anand - Wassili Iwantschuk remis
Peter Swidler - Ruslan Ponomarjow remis

Gerade aus Moskau zurückgekehrt, hatte ich im Flugzeug erste Gelegenheit, die sich gestern Abend im Kreml überstürzenden Ereignisse zu verarbeiten. Einen ruhigen Tag hatte lediglich Vishy Anand, der sich mit einem Remis gegen Alexej Schirow ins Halbfinale brachte und mit Ehefrau Aruna und Sekundant Elizbar Ubilawa ins Hotel aufbrach, wo er noch eine Einheit im Fitnesscenter plante. Nicht schlecht, wenn man stark genug ist, die Dinge in der "regulären Spielzeit" zu entscheiden. Die anderen fünf Matches (drei bei den Männern, zwei bei den Frauen) gingen allesamt in den Tiebreak. Unterschiedlich die Art der Akteure, sich auf den Nerven aufreibenden Stichkampf vorzubereiten. Von den Männern blieb einzig Peter Swidler vor Ort, der sich die mehr als zwei Stunden Wartezeit mit ständigem nervösen Herumlaufen vertrieb. Auf der Suche nach Ablenkung nahm er u. a. die Gelegenheit wahr, die letzten Exemplare von "Schach" durchzublättern und sich beispielsweise über den Abdruck eines für ihn ungünstigen Fotos von ihm in Ausgabe 11 aufzuregen (womit er im übrigen Recht hatte). Er gestand, total müde zu sein und klagte über seit Tagen anhaltende Schlafstörungen. Die anderen Spieler riskierten einen Trip in ihre Hotels, um sich dort ein wenig von der ersten Partie des Tages zu erholen. Die Chinesen suchten sich in einer anderen Etage eine ruhige Ecke, wo sie ihre Spielerinnen Zhu und Xu auf das Stechen gg. Tschiburdanidse und Kosteniuk vorbereiteten.

Swidler erreichte in der ersten Schnellpartie ein Endspiel mit Dame gegen Turm, ganz ohne Bauern, und gewann es nicht! Gelfand spielte wie ein Automat und hievte sich über die 50-Züge-Regel. Wer Swidlers Reaktionen in der zehnminütigen Pause gesehen hat, wie er kopfschüttelnd und vom Entsetzen gezeichnet neben seinem Sekundanten stand, dürfte nicht damit gerechnet haben, dass der Mann aus St. Petersburg noch einmal zurückschlägt. Doch er rang Gelfand in der Tat in drei weiteren Partien nieder. Unser vorher abgesprochenes Interview ("Bloß nichts wie raus hier, an die Luft und weg von den Massen") fand dann 22.00 Uhr auf dem Kreml-Gelände unter freiem Himmel bei minus 16 Grad statt.

Das Regime bei dieser Knockout-Weltmeisterschaft ist deutlich härter als bei den drei vorangegangenen Wettbewerben dieser Art. Ich ziehe symbolisch die (verloren gegangene) Pelzmütze vor den Spielern, die wie Swidler, Gelfand, Lautier, Barejew oder Ponomarjow durch die Schellschachhölle gegangen sind.

Viertelfinale
1. Tag 2. Tag 25'
Viswanathan Anand (Ind, 2797, 1) - Alexej Schirow (Spa, 2706, 9) 1-0 remis
Peter Swidler (Rus, 2695, 15) - Boris Gelfand (Isr, 2704, 7) remis remis 2,5-1,5
Ruslan Ponomarjow (Ukr, 2684, 19) - Jewgeni Barejew (Rus, 2719, 6) remis remis 2-0
Wassili Iwantschuk (Ukr, 2731, 4) - Joel Lautier (Fra, 2675, 21) remis remis 2,5-1,5

Drei von vier Viertelfinalbegegnungen gingen heute ohne große Höhepunkte über die Bühne. Den Anfang machten Joel Lautier und Wassili Iwantschuk mit einem ziemlich kurzen Remis. Danach ging es sofort zur Dopingkontrolle. Auch Boris Gelfand und Peter Swidler trennten sich ohne größere Aufregungen friedlich. Auch "Isostar" Gelfand wurde kontrolliert. Ob übermäßiger Genuss seins geliebten Powergetränks denn nicht zu Problemen führen könne, fragte ich den Israeli. "Dass ist deren Problem", sagte er nur. Keiner weiß so recht, was diese Kontrollen im Schach eigentlich sollen. Die Fide hat eine lange Liste verbotener Substanzen herausgegeben. Ruslan Ponomarjow holte gegen Jewgeni Barejew mit den weißen Steinen keinen Vorteil aus der Eröffnung heraus. Nach Meinung des die Szenerie beobachtenden Wesselin Topalow stand Schwarz kurz vor Schluss sogar signifikant besser. Aber Barejew war trotzdem sofort mit Remis einverstanden.

Der Sieger des Tages hieß Vishy Anand. Gegen Alexej Schirow, den er vor Jahresfrist im WM-Finale 3,5:0,5 schlug, hat der Inder von Hause aus keine großen Probleme.

Heute waren deutlich weniger Zuschauer als gestern anwesend, obwohl es beim parallel ausgetragenen Match Kasparow-Kramnik einen Ruhetag gab. Aber trotzdem waren immer noch einige hundert Fans gekommen. Sie mussten erleben, wie im Damenturnier Alexandra Kosteniuk gegen die Chinesin Xu Yuhua eine Niederlage quittieren musste. Maja Tschiburdanidse spielte gegen Zhu Chen remis. Ein rein chinesisches Finale wie im Vorjahr liegt damit in Reichweite.

Am Tag nach den acht Tiebreaks schien sich eine gewisse Ermüdung der Teilnehmer bemerkbar zu machen. Die ganz große Dramatik blieb aus. Der aufregendste Moment des Tages war für mich, als ich auf dem Weg in den Petrosjan-Schachklub feststellte, dass ich meine geliehene mongolische Pelzmütze irgendwo im Kreml liegen gelassen hatte. In dieser Nacht sind für einige Moskauer Stadtbezirke minus 20 Grad angesagt. Dirk Poldauf, Moskau

Damen: 1. Runde - 2. Runde - 3. Runde - Viertelfinale bis Finale

Herren: 1. Runde - 2. Runde - 3. Runde - Achtelfinale - Viertelfinale bis Finale

- Offizielle Seite: wcc2001.fide.com
- Partien: fidewm_51.pgn, fidewm_52.pgn, fidewm_61.pgn