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Raj Tischbierek berichtet aus Saarbrücken
Vom 22. bis 30. November findet in Saarbrücken die Deutsche Meisterschaft der Herren statt. Gespielt werden neun Runden im Schweizer System. Die Setzliste führen Robert Hübner, Alexander Graf und Artur Jussupow an. Titelverteidiger Christopher Lutz ging nicht an den Start.
- Offizielle Seite, Live-Übertragung der Partien:
www.dem-2002.de
- Alle Partien im pgn-Format: dm2002.pgn
- Partien im pgn-Format: dm09.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Luther-Gutman 1-0, Handke-Naiditsch 1-0, Graf-Jussupow
1-0, Dautov-Slobodjan 1-0, Bischoff-Kalinitschew remis, Gisbrecht-
Müller,Ka. 1-0, Kritz-Hübner remis, Breutigam-Gustafsson remis,
Siebrecht-Tischbierek remis, Müller,Ma.-Seger 0-1
- Endstand: 1. Luther,Thomas 7, 2. Graf,Alexander 6,5, 3. Handke,Florian
6,5, 4. Naiditsch,Arkadij 6, 5. Gisbrecht,Ewgeni 6, 6. Dautov,Rustem 6, 7.
Gutman,Lev 6, 8. Bischoff,Klaus 5,5, 9. Kalinitschew,Sergej 5,5, 10.
Seger,Rüdiger 5,5, 11. Hübner,Robert,Dr. 5, 12. Kritz,Leonid 5,
13. Gustafsson,Jan 5, 14. Jussupow,Artur 5, 15. Slobodjan,Roman 5, 16.
Siebrecht,Sebastian 5, 17. Breutigam,Martin 5, 18. Tischbierek,Raj 5, 19.
Müller,Karsten 5, 20. Holzhäuer,Mathias 5.
Eine dramatische Wendung brachten die letzten beiden Runden. Arkadij Naiditsch, bis dahin souveräner Spitzenreiter mit einem Punkt Vorsprung und der besten Wertung verlor gegen Gutman und Handke und rutschte dadurch noch auf Platz 4 ab. Deutscher Meister 2002 wurde Thomas Luther, der seine letzten beiden Partien gegen Hübner und Gutman siegreich gestalten konnte, mit sieben Punkten aus neun Runden.
Seltsam genug schon Naiditschs Niederlage gegen Gutman in Runde 8: Der 17-Jährige kam mit einem glatten Mehrbauern und klarem Vorteil aus der Eröffnung heraus. Bei seinem bis dato glasklaren Spiel schien ein neuerlicher Sieg und der damit vorzeitig gesicherte Titel nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Dann aber ruinierte Naiditsch seine Stellung binnen weniger Züge und Gutman brachte den dadurch errungenen positionellen Vorteil sicher nach Hause. Die Meisterschaft war wieder offen!
Am Nebenbrett gelang Luther eine hübsche Kombination gegen Robert Hübner und beförderte diesen dadurch aus dem Titelrennen. Unmittelbar vor D:f1+!! sah man den deutschen Vorkämpfer noch siegesbewusst den Turniersaal durchstreifen.
Die Entscheidung über den Titel fiel somit in den Schlussrundenpaarungen Luther (6) - Gutman (6) und Handke (5,5) - Naiditsch (6).
Der Sieg von Thomas Luther zeichnete sich nach gewonnener Eröffnungsschlacht schnell ab. Somit war auch Naiditsch gezwungen, auf Gewinn zu spielen. Bei Punktgleichheit mit Luther wäre ihm dank der besseren Wertung die Goldmedaille sicher gewesen. Arkadij ging einige Risiken ein (Königsindisch), war aber gegen einen sich neuerlich in furchtbare Zeitnot triefenden Florian Handke nach zwischenzeitlich kritischer Lage kurz vor der Zeitkontrolle im 40. Zug bei einer Mehrqualität deutlich auf der Siegerstraße. Dann aber passierte das Unglaubliche: In der fälschlichen Annahme, bereits 40 Züge geschafft zu haben, überschritt Naiditsch, dem noch ca. 15 Sekunden für seinen Kontrollzug verblieben waren, "entspannt" die Zeit. Tragisch für den jungen Dortmunder - Glück für Thomas Luther - nach 1993 zum zweiten Mal Deutscher Meister - und Florian Handke - nach Silber im Vorjahr diesmal Bronze sowie vierte und damit entscheidende Großmeisternorm.
Den großen Bericht über die dramatische Meisterschaft mit vielen kommentierten Partien lesen Sie in SCHACH 1/2003, ab 21.12. im Handel.
- Partien im pgn-Format: dm08.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Gutman-Naiditsch 1-0, Hübner-Luther 0-1, Kritz-Graf
0-1, Jussupow-Bischoff remis, Gustafsson-Handke 0-1, Gisbrecht-Slobodjan
remis, Becking-Dautov 0-1, Müller-Holzhäuer 1-0, Kalinitschew-Zeller
1-0, Tischbierek-Schmidt 1-0
- Partien im pgn-Format: dm07.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Naiditsch-Luther 1-0, Slobodjan-Hübner remis,
Graf-Gustafsson remis, Handke-Jussupow remis, Dautov-Gutman 0-1, Bischoff-Kritz
remis, Schmidt-Gisbrecht 0-1, Holzhäuer-Becking remis, Breutigam-Tischbierek
remis, Kersten-Müller 0-1
- Partien im pgn-Format: dm06.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Naiditsch-Hübner 1-0, Luther-Graf 1-0,
Jussupow-Gutman remis, Gustafsson-Dautov remis, Müller-Bischoff 0-1,
Tischbierek-Kritz 0-1, Siebrecht-Slobodjan 0-1, Breutigam-Handke 0-1,
Gisbrecht-Kalinitschew remis, Schmidt-Zeller 1-0
Dass Sie gestern nichts von mir gehört haben, war keinen technischen Problemen, sondern der Tatsache geschuldet, dass ich von Robert Hübner nach zwischenzeitlich guter Stellung in der siebenten Stunde wie eine Zitrone ausgequetscht wurde. So weit, so schlecht, heute gab's gleich noch einen Nachschlag: gegen Leonid Kritz wollte ich kein langweiliges Endspiel, sondern ein bisschen Rabatz, aber mein Figurenopfer erwies sich als glatter Rohrkrepierer. Turnier ade!
Ähnlich ging's neben mir Karsten Müller, dessen Opfertat gegen Klaus Bischoff aber weit inhaltsreicher ausschaute.
Tragik pur für Alexander Graf: Der Spieler, der im Turnier die mit Abstand meisten Risiken auf sich nimmt, überschritt - wie schon gegen Arkadij Naiditsch - die Zeit. Und das nach zwischenzeitlich klarer Gewinnstellung gegen Thomas Luther. Glück für den Erfurter, der seinen vierten Sieg in Folge landete, ohne dabei rein schachlich zu überzeugen.
Am Spitzenbrett erwehrt sich zur Stunde noch Hübner verzweifelt seiner Haut, aber alles spricht dafür - er übersah im Mittelspiel einen Einschlag auf e6 -, dass er von Naiditsch ähnlich behandelt wird, wie ich gestern vom deutschen Vorkämpfer. Hübner ist der Zähesten einer, aber ein Manko von zwei Bauern wird im Endspiel kaum wettzumachen sein.
Ein Sieg Naiditschs ergäbe Punktgleichstand mit Luther und deren morgiges Aufeinandertreffen. Noch nicht abschreiben sollte man jedoch auch Alexander Graf, der weiter pickelhart auf Gewinn spielen wird, und - so er nicht ein weiteres Mal die Zeit überschreitet - noch auf sieben Punkte kommen kann.
- Partien im pgn-Format: dm05.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Dautov-Naiditsch remis, Hübner-Tischbierek
1-0, Graf-Gisbrecht 1-0, Luther-Breutigam 1-0, Slobodjan-Gustafsson 0-1,
Pirrot- Jussupow 0-1, Kritz-Müller remis, Gutman-Holzhäuer 1-0,
Bischoff-Seger 1-0, Handke-Kersten 1-0
- Partien im pgn-Format: dm04.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Naiditsch-Slobodjan remis, Jussupow-Hübner
remis, Siebrecht-Graf 0-1, Kalinitschew-Dautov 0-1, Breutigam-Bischoff 1-0,
Gustafsson-Kritz remis, Schulz-Luther 0-1, Tischbierek-Zeller 1-0,
Müller-Pirrot remis, Gisbrecht-Handke 1-0
Arkadij Naiditsch nahm sich heute nach seinen drei Auftaktsiegen eine kleine Auszeit und remisierte trotz der weißen Steine relativ schnell gegen den eine "Berliner Mauer" aufbauenden Roman Slobodjan.
Trotzdem behauptete er seine alleinige Führung, da Jussupow und Hübner ihre Partie zwar routiniert über fast zwei Stunden hinzogen, aber anders als Remis haben die beiden meines Wissens in den letzten Jahren nicht mehr gegeneinander gespielt.
Gelegenheit für die vielköpfige 2-Punkt-Meute, den Rückstand auf die Spitze durch einen Sieg auf einen halben Zähler zu verringern. Das gelang am überzeugendesten und überraschendsten zugleich Martin Breutigam, der Klaus Bischoff in einer schönen Partie matt peitschte. Er übernimmt damit den Status des "Überraschungsmannes" von Sebastian Siebrecht (0 gegen Graf) und Karsten Schulz (0 gegen Thomas Luther).
Weitere Dreipunkter sind Gisbrecht (Sieg gegen den nicht auf Touren kommenden Handke), Graf, Dautov (gegen seinen alten Kumpel aus Wünsdorfer Tagen, Sergej Kalinitschew) sowie Ihr Schreiberling (Punkt gegen "Igel" Frank Zeller).
Morgen beginnt mit mehreren Treffen der Favoriten untereinander allmählich die heiße Phase des Turniers.
- Partien im pgn-Format: dm03.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Graf-Naiditsch 0-1, Hübner-Gustafsson 1-0,
Kritz-Jussupow remis, Dautov-Gisbrecht remis, Bischoff-Siebrecht remis,
Pirrot-Tischbierek remis, Slobodjan-Seger 1-0, Handke-Schulz remis, Luther-Schunk
1-0, Bischof-Müller 0-1
Die heutige Runde wurde durch jede Menge Zeitnotdramen gekennzeichnet. In der Spitzenpartie überschritt Alexander Graf gegen Arkadij Naiditsch im 37. Zug die Zeit. "Ich habe die letzten Züge so schlecht gespielt, dass die Stellung wieder unklar wurde. Aber er hatte am Ende nur noch fünfzehn Sekunden für vier Züge und alles hing. Keine Chance...", resümierte Naiditsch seinen dritten Sieg.
An Brett 2 opferte Jan Gustafsson gegen Robert Hübner nach bekannten Vorbildern einen Bauern für positionelle Kompensation. Kurioserweise begannen seine Probleme gerade dann, als er den Bauern endlich zurück gewonnen hatte. In Zeitnot - nachdem er seinen 40. Zug ausgeführt hatte, waren ihm noch zwei Sekunden verblieben - verlor er einen wichtigen Zentrumsbauern, diesmal ohne jegliche Kompensation.
Gar nur eine Sekunde hatte Florian Handke nach seinem 40. Zug auf der Uhr. Er rettete sich gegen Überraschungsmann Karsten Schulz in ein Turmendspiel mit Minusbauern, welches wir in SCHACH 11/2002 gerade einer ausführlichen Analyse unterzogen haben. Zur zweiten Zeitkontrolle im 60. Zug war er nicht in Zeitnot, stellte jedoch genau in diesem Moment seinen letzten Bauern ein, hielt aber letztendlich noch remis.
Nach vorn gemogelt hat sich "unbemerkt" nach einem Auftaktremis Roman Slobodjan, dessen Gegner Rüdiger Seger - natürlich in Zeitnot - eine Qualität einstellte. Er gehört mit zweieinhalb Punkten neben Robert Hübner zu den einzigen beiden Verfolgern von Naiditsch.
- Partien im pgn-Format: dm02.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Hübner-Handke remis, Kalinitschew-Graf 0-1,
Siebrecht-Dautov remis, Naiditsch-Zeller1-0, Gisbrecht-Bischoff remis,
Gustafsson-Holzhäuer 1-0, Seger- Luther remis, Jussupow-Kersten 1-0,
Tischbierek-Baramidze 1-0, Schmidt-Slobodjan 0-1
Aufmerksame Leser unserer Seite wissen, dass es Spieler gibt, die jeden Tag eine Grotte auf dem Brett haben. Jeden Tag - wie beim "Murmeltiertag". In Saarbrücken, bei der 74. Deutschen Meisterschaft war in der heutigen 2. Runde aber nicht Murmeltier-, sondern Igeltag. In zwei wichtigen Partien stand einer der komplizierten Eröffnungssysteme zur Debatte. Florian Handke, der nach seinem 2. Platz im Vorjahr einen steilen Karriereschub verzeichnete, hielt dem Druck von Robert Hübner stand - Remis. In der zweiten Igelpartie aber wurde der Schwarzspieler, Frank Zeller hat sogar ein Buch über das Tierchen veröffentlicht, von Arkadij Naiditsch übel zerlegt. Genießen Sie die lange Mattvariante!
Zweiter Hundertprozentiger ist neben Naiditsch Alexander Graf, dessen Gegner Sergej Kalinitschew in der Eröffnung einen Bauern einstellte. Zur Stunde müht sich Jan Gustafsson in einem besseren Endspiel gegen Holzhäuer noch, mit den beiden gleichzuziehen.
In der gestrigen 1. Runde hätte es in der Partie Baramidse-Jussupow beinahe eine Riesenüberraschung gegeben. Die 14-jährige Nachwuchshoffnung, aus Georgien nach Deutschland gekommen, setzte den großen Artur gewaltig unter Druck und hatte ein gewonnenes Endspiel auf dem Brett. Mit knapper Not und kräftiger gegnerischer Unterstützung konnte sich Artur retten. "Es ist wie beim Fußball", ließ mich Baramidses Trainer Sigurds Lanka nach meinem heutigen vergleichsweise leichten Sieg gegen seinen Schützling wissen: "Wenn Du zwei Meter vor dem Tor stehend das Tor verfehlst, bekommst Du im Gegenzug selbst ein Tor".
Die Gelegenheiten, hier in Saarbrücken Berichte über Internet abzusetzen, sind leider alles andere als ideal. Zürnen Sie mir also bitte nicht, wenn Sie einmal einen Tag "leer" ausgehen.
- Partien im pgn-Format: dm01.pgn
- Ergebnisse Brett 1-10: Müller-Hübner 0-1, Graf-Breutigam 1-0,
Baramidze-Jussupow remis, Dautov-Stewart 1-0, Bastian-Naiditsch 0-1,
Bischoff-Singer 1-0, Scherer-Gustafsson 0-1, Luther-Schmidt remis,
Kersten-Tischbierek remis, Slobodjan-Schulz remis
Die erste Runde brachte nur kleine Überraschungen: Die Großmeister Artur Jussupow, Thomas Luther, Raj Tischbierek, Roman Slobodjan und Karsten Müller erreichten gegen David Baramidse, Harald Schmidt, Uwe Kersten, Karsten Schulz und Hajo Vatter nur ein Unentschieden.
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