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Schacholympiade

Raj Tischbierek (Email: RajTischbierek@web.de) berichtet aus Bled

Die 35. Schacholympiade findet vom 26. Oktober bis zum 10. November in Bled statt. Für Deutschland spielen Christopher Lutz, Rustem Dautov, Alexander Graf, Jörg Hickl, Klaus Bischoff und Thomas Luther sowie Ketino Kachiani-Gersinska, Jordanka Micic, Elisabeth Pähtz und Jekaterina Borulja. Die Herren sind an Nummer acht gesetzt, die Damen nehmen Rang zehn der Setzliste ein. Als Elofavoriten gehen Russland bei den Herren und China bei den Damen an den Start.
- Offizielle Seite: www.35ChessOlympiad.com

Runde 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 - 12 - 13 - 14

14. Runde am 10. November

- Einzelergebnisse: olm14, olw14; Partien im pgn-Format: olymp14.pgn

Endstand Herren: 1. Russland 38,5, 2. Ungarn 37,5, 3. Armenien 35, 4. Georgien 34, 5.-7. China, Niederlande, England je 33,5, 8.-12. Slowakei, Israel, Jugoslawien, Macedonien, Schweiz je 33, 16. Deutschland 32,5
Frauen: 1. China 29,5, 2. Russland 29, 3. Polen 28, 4. Georgien 27,5, 5.-8. Ungarn, Ukraine, Jugoslawien, Aserbaidschan je 25,5, 16. Deutschland 24

Russland bei den Männern und China bei den Frauen heißen die Sieger bei der 35. Schacholympiade in Bled. Die beiden deutschen Teams verpassten in der letzten Runde mit Unentschieden gegen Spanien bzw. England das Ziel, noch auf einen einstelligen Tabellenplatz vorzustoßen.

Im Turnier der Herren war die Goldfrage schnell geklärt. Die Russen gaben ihre vier Partien gegen Jugoslawien nach wenigen Minuten Remis und standen damit bereits als Sieger fest, da Ungarn selbst im unwahrscheinlichen Falle eines 4-0 gegen China nur noch nach Punkten gleichziehen konnte, dann jedoch die schlechtere Wertung aufgewiesen hätte. Die Chinesen ihrerseits wollten noch um Bronze kämpfen, aber nach zwei Remisen an den Spitzenbrettern unterlagen sie an 3 und 4 - Silber für Ungarn, China fällt zurück. Den Kampf um Platz 3 entschied im direkten Duell Armenien mit einem 3-1 gegen Georgien für sich.

Die deutschen Herren lieferten sich ein hoch dramatisches, wenngleich alles andere als hoch klassiges Duell mit Spanien. Die Partien an Brett 2 (Graf) und 4 (Luther) wurden in annähernd ausgeglichenen Stellungen durch grobe Einsteller entschieden. Einmal waren wir Nutznießer - Luther -, einmal Leidtragender - Graf; 1-1. Dann patzte am Spitzenbrett auch Vallejo, wir gingen durch Lutz mit 2-1 in Führung und durften sogar kurzzeitig auf mehr hoffen. Aber Dautov unterlag in einem Zeitnotduell zum Ausgleich der Spanier. Die resultierende Platzierung wird nach Auszählung der Wertungspunkte um Rang 12 liegen. Nach den zuletzt ausgezeichneten Plätzen bei Olympiaden und Mannschafts-Europameisterschaften natürlich eine kleine Enttäuschung, wenngleich unbedingt zu berücksichtigen ist, dass mit Jussupow und Hübner zwei langjährige Stützen fehlten.

Im Damenturnier war der Kampf um Gold vor der Schlussrunde noch völlig offen, entsprechend engagiert wurde hier zu Werke gegangen. China hatte letztlich das bessere Ende für sich und verwies Russland knapp auf Platz 2. Die Sensation war die neuerliche Niederlage von Georgien, das damit sogar noch der Bronzemedaille verlustig ging (ein schwarzer Tag für Georgien!); jubelnde Dritte wurden die Polinnen mit einem abschließenden 3-0 über Vietnam.

Bei den deutschen Damen war Spitzenspielerin Ketino Kachiani-Gersinska nach 13 Partien so ausgelaugt, dass wir mit den etatmäßigen Brettern 2-4 gegen die starken Engländerinnen ins Rennen gingen. Unter diesen Umständen sind die drei Remisen und das resultierende 1,5-1,5 ein gutes Resultat, welches uns in der Tabelle allerdings nicht weiter nach vorne brachte.

Damit verabschiedet sich Ihr Berichterstatter aus Bled und verweist auf die Ende November erhältliche Ausgabe 12/2002 von SCHACH mit dem großen Olympiadebericht.

13. Runde am 08. November

- Einzelergebnisse: olm13, olw13; Partien im pgn-Format: olymp13.pgn
- Männer Stand vor der letzten Runde: 1. Russland 36,5, 2. Ungarn 34,5, 3. Georgien 33, 4. China 32,5, 5. Armenien 32, 6. Israel 31,5 ... 12. Deutschland 30,5
- Frauen Stand vor der letzten Runde: 1. China 27, 2./3. Russland, Georgien je 26,5, 4. Polen 25, 5. Vietnam 24,5 ... 15. Deutschland 22,5

Vor dem letzten spielfreien Tag und der darauffolgenden 14. und letzten Runde wird die deutsche Mannschaft von Präsident Alfred Schlya zu einem gemeinsamen Abendessen geladen. Ich schreibe meinen heutigen Bericht daher heute noch vor Abschluss der Runde, da noch zwei für die Medaillenvergabe wichtige Partien laufen.

Bei den Herren waren die acht ersten Bretter schnell verwaist: Die Armenier boten Ungarn ein 2-2, sprich vier Remisen, an, was die Magyaren (Teamchef Kallai "Wir sind sehr erschöpft" - die Olympiaden sind mit ihren 14 Runden + zwei spielfreien Tagen verflucht lange "Klopper") zwecks Absicherung der Silbermedaille gern annahmen. Anschließend traten auch Russland und Israel, ohnehin alles ehemalige Landsleute, sofort in Friedensverhandlungen. Auch hier also vier Remisen, u. a. bei Kasparow-Gelfand am Spitzenbrett. Man muss kein großer Prophet sein, um auch für die letzte Runde derart taktische Spielchen vorher zu sagen. Es sei denn, Russland und Ungarn treffen auf Teams, die mit einem 2-2 nicht zufrieden sind, weil sie um Bronze kämpfen wollen, was den Spannungsgehalt der Schlussrunde enorm erhöhen würde.

Die besten Karten im Kampf um Platz 3 hat nach einem 3,5-0,5 gegen Kanada plötzlich Georgien. Bei China-Kroatien lief beim Stand von 2-1 noch eine Partie. Gewinnt der Zhang Zhong gegen Zelcic (ich tippe eher auf ein Remis), folgen die Chinesen einen halben Punkt hinter Georgien.

Die Deutschen bekamen heute mit England einen schweren Gegner zugelost (der - Fluch der bösen Tat - bei einem gestrigen Sieg Hickls und einem 3-1 gegen Griechenland trotz des einen Punktes mehr schwächer ausgefallen wäre). Die vier Remisen und das resultierende 2-2 sind gegen die Briten (Adams, Short) ein gutes Resultat - allerdings sind damit endgültig alle Ambitionen auf Edelmetall gestorben. Das Ziel in der sonntäglichen Schlussrunde kann nur noch lauten, mit einem Sieg einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen.

Noch schwerer wird selbiges für die deutschen Damen, die heute 2-1 gegen Bosnien & Herzegowina gewannen. Lange sah es nach einem 3-0 aus, aber bei Elisabeth Pähtz brach eine alte Schwäche, das Unvermögen gegen deutlich niedriger bewertete Spielerinnen, wieder auf und sie ließ sich bei knapper Zeit matt setzen. Wer das Schweizer System kennt, weiß wie viel Plätze Unterschied am Ende ein Punkt macht...

Vorn lief noch eine Partie im Kampf Georgien-Bulgarien. Gewinnt die Georgierin, verhilft sie ihrer Mannschaft zu einem überaus glücklichen 1,5-1,5 (Maja Tschiburdanidse stand gegen Antoaneta Stefanowa völlig auf Verlust, rettete aber noch einen halben Zähler) und der weiterhin geteilten Führung mit den Chinesinnen. Diese kamen ebenso wie Russland (gg. Vietnam, damit weiter einen halben Punkt zurück) gegen die Ukraine nicht über ein 1,5-1,5 hinaus. Bei den Damen wird also in der Schlussrunde noch erbittert um die Medaillenvergabe gefightet werden.

12. Runde am 07. November

Einzelergebnisse: olm12, olw12, Partien im pgn-Format: olymp12.pgn

Ein Unglück kommt selten allein - die sich gestern andeutende Misere der deutschen Mannschaften setzte sich heute fort: Die Männer erreichten gegen die in der Vorbereitung auf Bled in einem Länderkampf noch deutlich beherrschten Griechen nur ein 2-2, die Damen unterlagen Indien mit 1-2.

Gegen Griechenland bestand die nicht unberechtigte Hoffnung, durch einen hohen Sieg noch einmal in den Kampf um die Medaillen eingreifen zu können. An drei Brettern lief alles halbwegs nach Plan. Remis bei Graf und Dautov an 1 und 2, schöner Sieg, der schönste deutsche bisher, von Thomas Luther an Brett 4. Und auch Jörg Hickl, der einen Opferangriff seines Gegners ad absurdum führte, war mehr als deutlich auf der Siegerstraße, ließ dann mit Da8?? allerdings das nur für uns nicht hübsche T:d6!! mit sofortigem Exitus zu. 2-2 statt 3-1...

Vorn blieb alles beim alten. Die Russen ließen mit Kasparow und Grischuk ihre beiden Spitzenbretter pausieren und schlugen Kroatien nur knapp mit 2,5-1,5. Sicheren Siegen von Morosewitsch (sehenswertes Finale) und Rublewski stand eine Niederlage von Swidler gegen Zelcic gegenüber, die die Kroaten feierten, als hätten sie das Match gewonnen. Die Ungarn konnten gegen eine der Überraschungsmannschaften, die jungen Georgier, die Gunst der Stunde nicht nutzen und siegten auch "nur" mit 2,5-1,5. Dabei konnten sie sogar von Glück sagen, dass Jobava gegen Judit Polgar nach "gewonnener" Eröffnung eine Zugwiederholung verschmähte, in den folgenden Verwicklungen dann aber unterging.

Gold und Silber scheinen vergeben, im vielköpfigen Kampf um Platz 3 hat momentan Armenien die Nase vorn. Das heutige 3-1 gegen die Ukraine war die Überraschung des Tages, Fide-Champ Ponomarjow verlor gegen einen groß aufspielenden Akopjan seine erste Partie. Völlig außer Reichweite ist Bronze allerdings zumindest theoretisch auch für Deutschland (28,5 Pkt. gegenüber 30 Armenien, dazwischen allerdings mindestens ein halbes Dutzend weiterer Teams) noch nicht.

Anders bei den Damen, wo nunmehr nur noch eine einstellige Platzierung das Ziel sein kann. Wieder war der Knackpunkt Brett 3, wieder kam Katja Borulja nicht mit der Bedenkzeit zurecht und patzte in der 30-Sekunden-Phase. Normalerweise hätte die Niederlage sogar noch höher ausfallen müssen, aber Ketino Kachiani-Gersinska rettete in der längsten Partie des Tages (knapp fünf Stunden) trotz zwischenzeitlicher Minusfigur noch einen halben Punkt.

Vorn wird es hier noch einmal ausgesprochen spannend, denn die zu Beginn so souveränen Georgierinnen gehen inzwischen auf dem Zahnfleisch und verloren erneut, diesmal mit 1-2 gegen Vietnam! Allerdings konnte auch China mit dem 1,5-1,5 gegen Armenien nur bedingt Nutzen daraus ziehen. Zhu Chen stellte am Spitzenbrett einzügig eine Figur ein. Vielleicht sind ja die Russinnen die lachenden Dritten?! Das 2,5-0,5 gegen Ungarn brachte sie bis auf einen halben Zähler an die nunmehr gemeinsam führenden Georgierinnen + Chinesinnen heran.

11. Runde am 06. November

Einzelergebnisse: olm11, olw11, Partien im pgn-Format: olymp11.pgn

War heute der 13.? Nein? Trotzdem - ein schwarzer Tag für beide deutsche Teams. Die Damen verloren 1-2, die Herren gar 0,5-3,5 gegen Russland und verschwanden damit (hoffentlich nur vorläufig) im "Müllhaufen", sprich in dem Teil des Feldes, für den eine Medaille in weiter Ferne liegt.

Natürlich ist eine glatte Niederlage gegen die Kasparow & Co. nicht ehrenrührig. Aber bei DER Inszenierung hätten nicht nur wir uns einen Ausrutscher der Russen gewünscht: Alle Partien waren längst "angepfiffen", da war noch kein russischer Spieler in Sicht. Die Deutschen und die Fotografen mussten gut fünf Minuten warten, bevor sich Morosewitsch und Swidler an die Bretter bequemten, wenig später kam Kasparow und entgegen der Hackordnung als Letzter Grischuk. Den leichten (bei der Fide-Bedenkzeit jedoch nicht zu vernachlässigenden) Nachteil auf der Uhr hatten alle Russen indessen schnell wieder wettgemacht. Besonders unsere beiden Schwarzpartien - Grischuk-Graf und Swidler-Bischoff - ließen frühzeitig nichts Gutes ahnen. Als beide dann nach abschließenden taktischen Intermezzi erledigt wurden, hatte auch Lutz am Spitzenbrett seine zwischenzeitlich ausgeglichene Stellung gegen Kasparow bereits ruiniert. Beim Stand von 0-3 schien wenigstens Dautov einem Endspielsieg gegen Morosewitsch entgegenzustreben, aber...

Die Russen sind damit wieder klar auf Goldkurs; sie konnten ihren Vorsprung auf Ungarn (2,5-1,5 gegen England; Matchwinner an 4 Acs gegen Conquest) auf komfortable zwei Zähler ausbauen.

Schlecht erging es dagegen bei den Frauen den bis dato souveränen Georgierinnen beim sensationellen 0,5-2,5 gegen Polen. China - 2,5-0,5 gegen Rumänien - kam damit bis auf einen halben Zähler heran und gestaltete den Kampf um Gold damit wieder völlig offen.

Unsere Niederlage gegen Russland war gänzlich überflüssig. Zwar erwischte Ketino Kachiani-Gersinska einen rabenschwarzen Tag und verlor ihre erste Partie glatt, aber an Brett 2 revanchierte sich Elisabeth Pähtz für die im Sommer (im Tiebreak) in Mainz erlittene Matchniederlage gegen Alexandra Kostenjuk. Entscheidend die Partie an Brett 3, an dem Katja Borulja den neuen Nachwuchsstar der Russinnen, die 16-jährige Tatjana Kosinzewa (viele halten sie bereits für stärker als Kostenjuk), aus der Eröffnung heraus unter Druck setzte. Die Partieanalyse steht noch aus, aber es würde mich nicht wundern, wenn irgendwo sogar ein forcierter Gewinn für Borulja möglich gewesen wäre. Bei beiderseits nur noch 30 Sekunden pro Zug erwies sich Kosinzewa am Ende als die Clevere, Katja hatte den richtigen Zeitpunkt verpasst, von "Gewinn" auf "Remis" umzuschalten.

Noch drei Runden sind zu spielen, morgen beginnen beide deutsche Mannschaften wieder bei Null.

10. Runde am 05. November

- Einzelergebnisse: olm10, olw10, Partien im pgn-Format: olymp10.pgn
- Spitze Herren: 1. Russland 28,5, 2. Ungarn 27,5, 3./4. England, Deutschland je 26, 5.-9. Georgien, Bosnien, China,Ukraine, Kroatien je 25
- Spitze Frauen: 1. Georgien 24,5, 2. China 21,5, 3./4. USA, Russland je 20,5, 5./6. Rumänien, Polen je 19, 7.-9. Ungarn, Deutschland, Armenien je 18,5

Die heutige 10. Runde war die bisher beste für die beiden deutschen Teams, was allerdings auch die Konsequenz nach sich zieht, dass Damen und Herren morgen schwere Brocken zugelost bekommen werden.

Das 3,5-0,5 der Männer gegen Tschechien ließ Deutschland auf den geteilten 3. Platz springen! Dabei zeichneten zwischenzeitlich eher Sorgenfalten das Gesicht von Bundestrainer Uwe Bönsch. Nach dem ereignislosen Remis am Spitzenbrett zwischen Lutz und Hracek sah es an 2 - Babula-Graf - nach einer Punkteteilung aus, an 3 - Dautov-Navara - war die Situation unübersichtlich und Bischoff stand an 4 gegen Vokac klar schlechter. Aber letztlich wurden alle drei Partien noch gewonnen: zunächst stutzte Rustem Dautov dem Angriff des Nachwuchsstars der Tschechen die Flügel, dann drehte Klaus Bischoff bei eigener knapper Zeit den Spieß um und schließlich gewann Alexander Graf im Endspiel!

Mit 26 Punkten liegen wir danach gleichauf mit den Engländern hinter Russland, 28,5, und Ungarn, 27,5. Erste konnten ihren Vorsprung mit dem 3-1 gegen China um einen halben Zähler ausbauen. Dabei zeigte Kasparow wieder einmal sein ganzes Grimassen-Repertoire. Die Eröffnung gegen den bislang hervorragend spielenden Ye verlief gar nicht nach seinen Vorstellungen, kopfschüttelnd lag Garri auch auf der Uhr deutlich hinten. "Dank" des Totalausfalls der Übertragungstechnik am heutigen Tag bekam ich von der wie stets dicht umlagerten Partie der Nr. 1 nicht viel mit, aber allein an seiner Mimik war abzulesen, dass sich die Lage zusehends besserte. Nach dem schlussendlichen Sieg hörte ich Kasparow zu seinem "Schatten" Juri Dochojan sagen "Nitschja bürlo" - Es war Remis. Vermutlich hat der Chinese also im Endspiel einen halben Punkt verschenkt. Zweiter russischer Sieger war - gewohnt souverän - Alexander Khalifman.

Deutschland wird somit morgen auf Russland oder die heute 2,5-1,5 gegen Bosnien & Herzegowina gewinnenden Ungarn treffen. Die erste richtige Bewährungsprobe - aber langsam scheint die Mannschaft in Schwung zu kommen, besonders Rustem Dautov hat sich nach sehr durchwachsenem Beginn enorm gesteigert.

Ähnlich stark das 2-1 der Damen gegen Europameister Frankreich. Für den Siegpunkt sorgte Elisabeth Pähtz, die Marie Sebag keine Chance ließ und auch in Gewinnstellung diesmal nicht die Konzentration verlor. Mein Winseln um Gnade nach der gestrigen Runde wurde erhört! Auch hier wartet morgen jedoch aller Voraussicht nach eine der topgesetzten Mannschaften.

Recht hatten all jene Leser, die mich per Email auf Lekos gestern ausgelassenem Gewinn gegen Kasparow (53. Sf8+!) hinwiesen. Wie mir heute der ungarische Coach Gabor Kallai bestätigte, hatten "alle" außer den beiden Kämpen den Knaller gesehen. Allerdings unterlief Leko + Kasparow das Übersehen in der Blitzphase mit jeweils nur noch 30 Sekunden pro Zug. Die ungarische Freude über den Sieg konnte dieser Umstand nicht schmälern, Matchwinner Robert Ruck zählte auch heute noch zu den meistgefragtesten Spielern. Seinen Sieg gegen Peter Swidler wird er in der nächsten Ausgabe von SCHACH (12/2002) analysieren.

9. Runde am 04. November

- Einzelergebnisse: olm09, olw09; Partien im pgn-Format: olymp09.pgn
- Spitze Herren: 1. Russland 25,5, 2. Ungarn 25, 3. China 24, 4. Bosnien 23,5, 5.-7. Indien, Kroatien, England je 23, 8.-14. Georgien, Polen, Slowakei, Tschechien, Deutschland, Niederlande, Ukraine je 22,5
- Spitze Frauen: 1. Georgien 22, 2. China 19, 3.-4. USA, Russland je 18,5, ... , 10.-16. Deutschland 16,5

Man möge mir verzeihen, dass ich heute einmal mit meinen persönlichen Erlebnissen beginne; den Erlebnissen als Damentrainer der deutschen Auswahl. Kurz und knapp: Unser Kampf gegen die Ukraine hätte sowohl 0-3 als auch 3-0 enden können. Ich musste die ganze Zeit zusehen und werde nach Niederschrift die mir verbliebenen Haare zählen und/oder den Umsatz in der Hotelbar ankurbeln. Brett 1: Ketino Kachiani-Gersinska steht zunächst schlecht, wahrscheinlich im höheren Sinne auf Verlust, kann dann aber ihre Gegnerin, Ex-Europameisterin Shukowa, "befudeln" - 1-0!; Brett 3: Gaponenko-Jordanka Micic. Aus unserer, schwarzer Sicht: Zuerst (klare) Verluststellung, dann (klare) Gewinnstelllung, dann Remisstellung, dann (klare) Verlusstellung, dann Remisstellung, dann Trainer tot: 1-1. Brett 2: Pähtz-Wassiljewitsch: Elisabeth gelingt ihre bislang beste Partie im Turnier, sie überspielt ihre Gegnerin glatt und hat eine Figur mehr..., um selbige einzügig wieder einzustellen. Danach wird sie mit Minusbauer noch lange gequält, schließlich aber Remis - 1,5-1,5. Im Grunde wahrscheinlich gerecht und gegen die drei ukrainischen 2400er ein ausgezeichnetes Ergebnis, aber wenn man kurz zuvor noch ein 3-0 vor Augen sah...

Natürlich gab es heute auch wichtige Dinge abseits meiner kleinen Damentrainerwelt, in erster Linie das mit Spannung erwartete Match Russland-Ungarn:
Leko (Ung)-Kasparow (Rus) Remis
Grischuk (Rus)-Polgar (Ung) Remis
Almasi (Ung) -Khalifman (Rus) Remis
Swidler (Rus)-Ruck (Ung) 0-1
2,5-1,5 für Ungarn!

Zuerst hatte Judit Polgar die Bemühungen Grischuks neutralisiert, während Kasparow mit den schwarzen Steinen dank "gewonnener" Eröffnungsvorbereitung Leko unter Druck setzte, Almasi einen kleinen Weißvorteil gegen Khalifman behauptete und Swidler am Brett mit der höchsten Elodifferenz zu russischen Gunsten einem Sieg entgegenzustreben schien. Remis dann auch an Brett 2, aber an 4 übersah Swidler einen taktischen Einschlag auf c3 und war sofort erledigt! Der Meister versuchte zuletzt noch alles, um das Dasaster zu verhindern, scheiterte aber in einem leicht besseren Endspiel an der exakten Verteidigung Lekos.

Somit sind die Ungarn den Russen bis auf einen halben Zähler auf den Pelz gerückt. Die Kasparow & Co. bleiben nichtsdestotrotz der Titelfavorit, aber da eine andere als die Goldmedaille im Schachland Nr. 1 einer nationalen Katastrophe gleichkäme, melden sich so langsam vielleicht auch die Nerven zu Wort...

China festigte seinen dritten Platz mit einem knappen Sieg gegen die Slowakei.

Im Match Deutschland-Polen wurde zweimal eine Figur geopfert. Während unserem gestrigen Helden Jörg Hickl dieser Versuch völlig missglückte und er schon zwei Züge später praktisch aufgeben konnte, hatte das Opfer Sockos an Brett 2 gegen Dautov Hand und Fuß. Anschließend legte der Pole noch eine Qualität nach, verschmähte dann jedoch mit Minusturm die logische Zugwiederholung und ging an seinem unbedingten Siegeswillen zugrunde: 1-1; nach zwei Remisen an 1 (Lutz) und 4 (Geburtstagskind Luther) 2-2. Wie bei den Damen: Weder Fisch noch Fleisch. Die Entscheidung über himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt wurde vertagt.

Dagegen könnte die Entscheidung über die Vergabe der Goldmedaille bei den Frauen nach dem heutigen 3-0 der Georgierinnen über Rumänien schon gefallen sein. Zwar gewann auch China hoch mit 2,5-0,5 gegen Vietnam, aber der Rückstand auf das wie entfesselt aufspielende Team um Maja Tschiburdanidse beträgt schon drei Zähler.

8. Runde vom 02. November

- Einzelergebnisse: olm08, olw08; Partien im pgn-Format: olymp08.pgn
- Spitze Herren: 1. Russland 24, 2. Ungarn 22,5, 3. China 21,5, 4.-7. Georgien, Slowakei, Tschechien, Bosnien je 21, 8.-11. Polen, Niederlande, Indien, Deutschland je 20,5
- Spitze Frauen: 1. Georgien 19, 2. USA 17, 3./4. Russland, China je 16,5, ... 9. Deutschland 15

Ungarn nutzte in der 8. Runde die Chance, sich durch das zweite 3,5-0,5 in Folge - heute gegen die bislang deutlich über ihren Verhaltnissen spielenden Rumänen - näher an die führenden Russen heranzuschieben. Denen gelang ohne Kasparow gegen die Niederlande zwar auch ein Matcherfolg, aber der fiel mit 2,5-1,5 um einen Punkt niedriger als der der Magyaren aus. Bei Siegen von Grischuk (hoch interessante Partie gegen Ivan Sokolov) und Swidler ("Routine" gegen van den Doel) und einem Remis zwischen Morosewitsch und dessem ehemaligen Landsmann Tiwjakow setzte es an Brett 4 bei Nijboer-Rublewski die zweite Niederlage für die Russen.

Nach dem morgigen Ruhetag kommt es damit in der 9. Runde zum Aufeinandertreffen der an 1 und 2 gesetzten Mannschaften Russland und Ungarn, in das Erstere mit komfortablen eineinhalb Zählern Vorsprung und dann sicher ohne ihre "Wackelkandidaten" Morosewitsch und Rublewski mit Kasparow, Grischuk, Khalifmann und Swidler trotz des heutigen Schwundes weiter als klare Favoriten gehen.

Erfreuliches gibt es aus dem deutschen Lager mit dem 2,5-1,5 gegen Frankreich zu vermelden. "Über Kampf zum Spiel finden" - vielleicht gelingt ja, was Bundestrainer Uwe Bönsch vor der Runde als seinen Wunsch formulierte. Den Franzosen fehlt in Bled ihr Spitzenmann Joel Lautier, daneben ließen sie heute auch ihre etatmäßige Nr. 2, Etienne Bacrot, pausieren. Trotzdem sah es aus deutscher Sicht nach Remisen bei Lutz-Dorfman, Sokolov-Dautov und Bauer-Luther lange Zeit bestenfalls nach einem 2-2 aus, den am verbleibenden Brett 3 kämpfte Hickl gegen Degraeve ums Überleben. In der Blitzphase drehte sich jedoch das Blatt und der Deutsche erkämpfte sich mit cleverer Behandlung des entstandenen Damenendspieles (nach einem 3/3-Blitzstart und der darauf folgenden kleinen Durststrecke von 0,5/2) seinen in Bled kreierten Spitzennamen (sprich) "Dschordsch Heikel" zurück. Somit bleiben dem deutschen Team alle Chancen, in den verbleibenden sechs Runden den schwachen Start vergessen zu machen.

Bei den Damen machte Georgien mit dem 2,5-0,5 gegen die topgesetzten Chinesinnen einen großen Schritt in Richtung Olympiasieg. Beim Titelverteidiger fehlt in Bled die Mutterfreuden entgegen sehende (bzw. bereits Mutter gewordene?!) Xie Jun; Zhu Chen kann die Ex-Weltmeisterin am Spitzenbrett nicht adäquat ersetzen und verlor heute gegen Maja Tschiburdanidse - ebenfalls eine Exweltmeisterin, sie aus den großen Zeiten des georgischen Damenschachs, an die man hier anknüpfen moechte.

Die deutschen Frauen mussten bei 1-2 gegen die USA ihre erste Niederlage hinnehmen, die gegen die starken Amerikanerinnen allerdings gänzlich überflüssig zustande kam. Korrekt das Remis am Spitzebrett zwischen Kachiani-Gersinska und Krush, dahinter wechselten allerdings in beiden Partien die Vorzeichen. Zunächst stand Elisabeth Pähtz in ihrer dritten Schwarzpartie in Folge mit dem Rücken zur Wand und Katja Borulja auf Gewinn; dann hatte sich die 17-jährige Erfurterin herausgerappelt und bei Katja ging es steil bergab... Letztere konnte schließlich einen halben Punkt retten, aber Elisabeth ließ sich bei knapper Zeit beim Versuch, das Steuer zu ihren Gunsetn herumzureissen, von ihrer Gegnerin überlisten. Der Zug nach oben ist damit zunächst abgefahren, aber wie bei unseren Herren ist auch hier noch alles drin.

Ein Tip für Olympiade-Statistikfreaks: schach.wienerzeitung.at

7. Runde vom 01. November

Einzelergebnisse: olm07, olw07; Partien im pgn-Format: olymp07.pgn

Zwei Feiertage hintereinander: Reformationstag + Allerheiligen, danach Wochenende. Den Slowenen geht’s gut! Dazu kommt das weiter herrliche Spätsommerwetter am Bleder See. Richtig idyllisch, wäre da nicht...

Mit der Qualität der Partien seiner Mannschaft konnte Uwe Bönsch auch heute zumindest an den Brettern 1-3 (Graf, Dautov, Bischoff) nicht zufrieden sein, aber entscheidend ist bekanntlich, "was hinten rauskommt", und das war ein 4-0 gegen den krassen Außenseiter Ägypten. Und plötzlich –das Schweizer System machts möglich - sind der Perspektiven des deutschen Teams gar nicht mehr so düster: In einem Pulk von Mannschaften liegt man nur einen Zähler hinter dem aus Istanbul 2000 zu verteidigenden Silberrang. Auch wenn das nichts am bisher enttäuschenden Auftreten ändert und es in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle so ist, dass man sich nach einem schlechten Start nicht mehr bis ganz nach oben spielen kann – einmal Wurm drin, immer Wurm drin -; es ist erst die Hälfte des Turniers gespielt, und wir hätten gewiss nichts dagegen, als Ausnahme die Regel zu bestätigen. Mit 18 Zählern liegen wir z. B. vor Mannschaftsweltmeister Ukraine (17,5; heute 1,5-2,5 gg. Georgien), bei dem bislang nur Iwantschuk seine erwartete Leistung bringt.

Vorn ziehen die Russen weiter einsam ihre Kreise und liegen mit 21,5 Punkten bereits zweieinhalb Zähler vor einigen 19-Punktern. Gegen Polen war Kasparow heute wieder mit von der Partie und machte mit Krassenkows Offenem Spanier nicht viel Federlesens, Khalifman zeichnete für den zweiten Sieg beim 3-1 verantwortlich.

Wenn überhaupt, ist vielleicht noch aus ungarischer Richtung Gegenwehr gegen das russische "Unternehmen Gold" zu erwarten, zumindest gelang den Magyaren mit ihrem heutigen 3,5-0,5 gegen Gastgeber Slowenien ihr bislang bestes Ergebnis, bei dem der gewohnt langsam in Schwung kommende Peter Leko gegen Beljawski seinen ersten Sieg landete.

Für die deutschen Damen begann heute gegen Rumänien der Ernst des Lebens, es war der erste elomäßig vor uns gesetzte Gegner. Unter diesem Gesichtspunkt muss man mit dem 1,5-1,5 zufrieden sein, auch wenn (mir) nach dem schnellen Remis von Kachiani-Gersinska am Spitzenbrett gegen Peptan zwischenzeitlich mehr möglich schien. Dann aber lag plötzlich auch eine Niederlage im Bereich des Möglichen – olympischer Alltag, gerade bei der in Bled praktizierten Bedenkzeit.

An der Spitze behauptete sich Georgien mit dem 1,5-1,5 gegen Russland, aber die Frankreich die Höchststrafe erteilenden Chinesinnen rückten bis auf einen halben Zähler an Tschiburdanidse & Co. heran. Morgen kommt es zum Showdown der beiden Titelanwaerter.

6. Runde am 31. Oktober

Einzelergebnisse: olm06, olw06, Partien im pgn-Format: olymp06.pgn

Im Innenraum war es während der heutigen Runde merklich ruhiger – Kasparow pausierte und die Massen verteilten sich gleichmäßiger als sonst auf den großen Spielsaal. Die Russen entschieden das Spitzenduell gegen Bosnien dennoch erwartet klar für sich, auch wenn das 3,5-0,5 mindestens um einen halben Punkt zu hoch ausfiel. Swidlers Hammer b7-b5!! brachte das 1-0, Morosewitsch erfudelte das 2-0, an den beiden verbleibenden Brettern hätte es allerdings Unentschieden geben sollen. Es blieb jedoch beim halben Ehrenpunkt der Bosnier an Brett 4, weil (der ehemals für die Türkei spielende) Suat Atalik am Spitzenbrett gegen Alexander Grischuk in der Blitzphase unglaublicherweise einen primitiven Trick im Turmendspiel, einen "Brückenbau", übersah und sich damit um die Früchte seiner zuvor guten Verteidigungsarbeit brachte.

Alles lief in dieser heutigen 6. Runde für die Russen, geht man einmal davon aus, dass die Ukraine und Ungarn die Konkurrenten um Gold sind. Kommen die vier Remisen und das resultierende 2-2 des Mannschaftsweltmeisters aus der Ukraine gegen England nicht sonderlich überraschend, kann man selbiges über das 1,5-2,5 der Magyaren gegen Tschechien nicht behaupten. Russland hat damit bereits einiges Land zwischen sich und den Rest des Feldes gelegt.

Immerhin Galgenhumor bewiesen die Deutschen nach dem mehr als enttäuschenden 2-2 gegen Finnland: "Ein halber Punkt mehr als gestern. Es geht aufwärts." Dabei mussten die Mannen um Bundestrainer Uwe Bönsch am Ende mit dem Unentschieden sogar zufrieden sein, denn nachdem Lutz am Spitzenbrett seinen Vorteil zum Remis versiebt, Bischoff nach kraftlosen Spiel in die Punkteteilung eingewilligt und Dautov entgegen seiner Gewohnheit völlig zusammengebrochen war, drohte an Brett 4 im Blitzfinale bei Luther gar das 1-3. Aber der Erfurter erwies sich trotz zwischenzeitlicher Zittereinlagen letztlich als der Cleverere. Dennoch war man sich anschließend einig: Es kann nur besser werden!

Anders die deutschen Damen, bei denen es mit dem 2-1 gegen Vietnam weiter bergauf ging. Bei zwei Punkteteilungen an 1 und 2 (Kachiani-Gersinska, Pähtz) dabei besonders wertvoll der Sieg von Katja Borulja an Brett 3. Sollte sie damit nach den anfänglichen Unsicherheiten zu ihrer wahren Leistungsstärke finden, scheint eine Platzierung im Vorderfeld möglich.

Etwas abgesetzt haben sich die "Oldies" aus Georgien, die zum zweiten Mal in Folge mit 3-0 siegreich blieben, heute gegen die Niederlande. Der Lauf der Amerikanerinnen endete mit dem 0,5-2,5 gegen Russland; neben dem o. g. Aussetzer Ataliks gab es hier das zweite unerhörte Ereignis des Tages: Shahade, gestern noch glanzvolle Siegerin gegen China, "schlief" mit zwei Mehrbauern und gewonnener Stellung "ein", überschritt die Zeit und verpasste damit das 1,5-1,5 für ihre Mannschaft.

Anders als bei den Herren, wo Russland unangefochten der Titelverteidigung entgegen sieht, scheint mir bei den Damen trotz der momentanen Dominanz Georgiens noch alles möglich, u. a. hat sich auch der durch Almira Skriptschenko (Ex-Ehefrau von Joel Lautier, vormals Moldawien) verstärkte Europameister Frankreich nach schwachem Auftakt eindruckvoll zurückgemeldet.

5. Runde am 30. Oktober

- Einzelergebnisse: olm05, olw05, Partien: olymp05.pgn
- Spitze Herren: 1. Bosnien 15,5, 2./3. Russland, Armenien je 15, 4. Rumänien 14,5, 5./10. Tschechien, Ungarn, Ukraine, England, Schweiz, Polen je 14
- Spitze Damen: 1. Georgien 12, 2. USA 11,5, 3./5. Niederlande, Russland, Tschechien je 11, 6./10. Frankreich, Ungarn, China, Jugoslawien, Deutschland je 10,5

In beiden Konkurrenzen mussten die an 1 gesetzten Mannschaften heute Federn lassen.

Bei den Männern trafen die haushoch favorisierten Russen auf die in Mannschaftswettbewerben als besonders kampfstark bekannten Armenier. Brisant die Paarung am Spitzenbrett, an dem Kasparow für die kürzlich beim Kampf Russland gegen den "Rest der Welt" gegen Akopjan erlittene Niederlage (vgl. SCHACH 10/2002) Revanche nehmen wollte. Aber wie schon in Moskau gelang es ihm als Nachziehenden nicht, Spannungen aufzubauen. Nach Dd1-c2 überlegte er 20 Minuten, schüttelte dabei vergleichsweise milde das früh ergraute Haupt und schickte sich schließlich mit Se5-g4 in sein erstes Remis in Bled. Anschließend huschte jedoch ein Lächeln über das Antlitz des unumstrittenen Superstars der Veranstaltung und er mischte sich schwatzend unters Volk.

Da ahnte er allerdings noch nicht, dass der von ihm hoch gelobte Alexander Grischuk gegen Smbat Lputjan an 2 die erste russische Niederlage erleiden sollte, die durch einen Sieg von Alexander Morosewitsch nur zum 2-2-Ausgleich egalisiert werden konnte.

In Front zogen dadurch überraschend die durch den Nationalitätenwechsel Ivan Sokolovs (nach Holland, seit vielen Jahren sein Lebensmittelpunkt) arg geschwächten Bosnier mit einem 3-1 gegen Polen. Am Spitzenbrett hatte Nikolic hier mit den schwarzen Steinen schon nach einer guten Stunde gegen den patzenden Krassenkow gewonnen. Mit 15,5 Punkten liegt Bosnien einen halben Punkt vor den Russen, morgen schlägt allerdings gegen selbige die Stunde der Wahrheit...

Ausgesprochen stark präsentiert sich bislang die Schweiz, die heute durch ein 3,5-0,5 gegen Kasachstan Anschluss an die Spitze fand. Am Spitzenbrett glänzt der unverwüstliche Viktor Kortschnoj mit bislang drei Punkten aus vier Partien, auch Florian Jennis 3,5/4 lassen sich sehen und inzwischen ist auch Yannick Pelletier in Bled eingetroffen, der zu Beginn noch beim Turnier in Cap d Agde engagiert war.

Und Deutschland. Hm... Das 1,5-2,5 gegen Weißrussland bildet aus unserer Sicht den Tiefpunkt des bisherigen Geschehens bei dieser 35. Olympiade. Korrekt die Punkteteilung am Spitzenbrett zwischen Alexandrow und Lutz, dahinter ging Graf allerdings hart ins Gericht mit sich, weil er gegen Kowaljow seinen zwischenzeitlich gewinnträchtigen Vorteil im Endspiel versiebte. An 4 musste Bischoff mit der Punkteteilung zufrieden sein, während es den bisherigen Goalgetter der Deutschen, Jörg Hickl, an 3 gegen den jungen Asarow erstmals erwischte. Nachdem er den taktischen Schlag Sd6:f7 übersehen hatte, ging es rasant bergab.

Vielleicht gelingt uns ja morgen ein ähnlicher Befreiungsschlag wie den Engländern, bei denen bislang überhaupt nichts zusammen lief, die aber heute mit einem 4-0 gegen Chile neu Anlauf nahmen. Noch sind neun Runden zu spielen!

Bei den Damen bleiben die USA die Mannschaft der Stunde. Nach dem 2-1 gegen Georgien und Jugoslawien schlugen sie heute sensationell China mit dem gleichen Resultat. Bei einer Niederlage an Brett 3 blieben Krush (nach zwischenzeitlich klarem Nachteil) und Shahade (nach Opferorgie) siegreich. Georgien nutzte die Gunst der Stunde und setzte sich mit einem 3-0 gegen Indien an die Spitze (12 Punkte, USA 11,5).

Gut im Rennen liegt mit 10,5 Pkt. auch die deutsche Mannschaft nach dem erfreulichen 2,5-0,5 gegen Ekuador. Ausgezeichnet mit ihren heutigen Siegen weiterhin Ketino Kachiani-Gersinska (4,5/5) und Elisabeth Pähtz (2,5/3), während Brett 3 – Remis von Jordanka Micic – das Sorgenkind bleibt.

4. Runde am 29. Oktober

Einzelergebnisse: olm04, olw04, Partien: olymp04.pgn

Die heutige 4. Runde war der ohnehin schon alles andere als prächtigen Haartracht beider deutschen Trainer – Uwe Bönsch bei den Herren und dem Berichterstatter bei den Damen – nicht zuträglich.

Die Herren hatten mit den einen Platz vor ihnen gesetzten Chinesen (ebenso wir wir vier 2600er) den ersten starken Gegner. Lange Zeit sah es zumindest nach einem knappen Sieg für Deutschland aus. Alexander Graf gelang seine erste gute Partie; er wischte seinen Gegner förmlich vom Brett – 1-0. Alles roch zwischenzeitlich nach einem 2,5-1,5 bis 3-1: an Brett 1+4 – Christopher Lutz, Jörg Hickl – hatten wir leichte Vorteile, Rustem Dautov stand keinesfalls schlechter. Letztlich mussten Lutz und Hickl jedoch in die Punkteteilung einwilligen, während Dautov unnötigerweise in ein Endspiel mit Minusqualität abwickelte, was er fälschlich klar Remis wähnte. Vielleicht war es bei genauem Spiel noch haltbar, aber... 2-2 – was kein schlechtes, angesichts des Kampverlaufes aber enttäuschendes Resultat gegen die Chinesen ist. Nichts mit „Chop Suey“, was Thomas Luther vor der Runde gern aus ihnen gemacht wissen wollte.

Vorn ließen sich die Russen auch diesmal nicht die Butter vom Brot nehmen. Gegen Georgien wetterte Kasparow zwar, dass sich deren klare Nr. 1 – Surab Asmaiparaschwili – nicht zum Kampf stellte, und er – Garri - sich somit unstandesgemäß mit einem 2500er "abgeben" musste, aber er und Exweltmeister Khalifman sorgten bei zwei Remisen für ein standesgemäßes 3-1.

Noch gibt es einige niedriger eingestufte Mannschaften, die mit den Russen Schritt halten können – Polen, heute 3-1 gegen Kuba, + Armenien, heute 3,5-0,5 gegen Jugoslawien -, aber es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn sie im direkten Duell nicht Federn lassen werden. So sieht es auch Peter Leko, der mir heute nach seinem schnellen Schwarzremis gegen den Star der 15-17-jährigen Aserbaidshaner, Teimur Radjabow (2,5-1,5-Sieg für Ungarn dank eines Blitzsieges von Judit Polgar), zur Beantwortung des SCHACH-Fragebogens (Nr. 1/2003) Rede und Antwort stand. Keinesfalls, so Leko, gehe es Ungarn darum, mit den Russen zu konkurrieren, was angesichts deren bombastischer Aufstellung und eines stark spielenden Kasparows sowieso ein hoffnungsloses Unterfangen sei, vielmehr wolle Ungarn nach 1982 unbedingt wieder einmal eine Medaille gewinnen.

Bei den deutschen Damen - heute mit Kachiani-Gersinska, Pähtz und Borulja - sah es gegen die Slowakei auch lange nach einem Sieg aus. Letztlich gab es drei Remisen und ein 1,5-1,5 und wenn Sie Zeit und ein Computerprogramm zu Hause haben, spielen Sie bitte die Partie von Katja Borulja nach - und Sie wissen, wie der einleitende Satz gemeint war.

Am Spitzenbrett verlor China gegen Polen die erste Partie (Zhu Chen gegen Radziewicz), blieb aber dennoch mit 2-1 siegreich. An 2 schlugen die USA nach (gestern) Georgien heute auch Jugoslawien mit 2-1 und liegen vorerst weiter gleichauf mit den favorisierten Chinesinnen.

Inzwischen funktioniert übrigens auch die anfangs noch arg unter Anlaufschwierigkeiten leidende Olympiade-Website.

3. Runde am 28. Oktober

Einzelergebnisse: olm03, olw03, Partien: olymp03.pgn

Nimmt das deutsche Schiff langsam Fahrt auf? Das 3-1 gegen Schottland war gewiss kein Glanzstück, sondern harte Arbeit, aber das Beste, was vom Partieverlauf her drin war.

Alexander Graf stand aus der Eröffnung heraus (mit Weiß!) so schlecht, dass er – ein Kämpfer par exellence - nicht umhin kam, das überraschende Friedensangebot seines Gegners anzunehmen. Es folgte das Remis von Thomas Luther an Brett 4 – nach hoch interessantem Partieverlauf. Luther hatte die Dame gegen zwei Leichfiguren und eine schöne Initiative geopfert, aber bei knapper Zeit die Punkteteilung forciert. Goalgetter Jörg Hickl sorgte für die deutsche Führung. Nach dem gestrigen 1. e4 kehrte er heute – in seiner dritten Weißpartie – zum angestammten 1. g3 zurück, und spielte eine typische "Hickl-Partie", soll heißen, in erster Linie von den ersten drei Reihen aus operierend, nur von gelegentlichen Damenausflügen nach a7 "gestört". Nach seinem Einbruch beim Europapokal Ende September spielt das Stuttgarter Bundesliga-Spitzenbrett in Bled bislang groß auf – drei Partien, drei Siege! Rustem Dautov schließlich rang seinen Gegner in einer der längsten Begegnungen der heutigen Veranstaltung nieder.

Russland schlug die in Bled ohne Anand antretenden Inder souverän mit 3-1 – das Herrenturnier droht ganz vorn eine einseitige Angelegenheit zu werden. Kasparow besiegte dabei am Spitzenbrett Sasikiran, der beim Weltcup in Hyderabad jüngst das indische Idol (Anand) düpiert hatte. Die zweite Gewinnpartie ging auf das Konto Swidlers; der in karierte Hosen, gestreiftes T-Shirt und gepunktete Strickjacke gewandete Coach der Russen Naum Raschkowski war's zufrieden, auch wenn seine beiden Weißpferdchen Morosewitsch und Rublewski nicht über Remisen hinaus kamen. Zumal sich Ungarn – erstmals mit Peter Leko – mit vier Punkteteilungen gegen die Slowakei zufrieden geben musste.

Im Damenturnier kam es mit dem Aufeinandertreffen der bis dato verlustpunktfreien Russinnen und den an 1 gesetzten Chinesinnen in Runde 3 bereits zu einer Toppaarung. Dank des Sieges von Zhu Chen an 1 gegen Kowalewskaja gewannen der Titelverteidiger mit 2-1; ein Sieg, der durch die überraschende 1-2-Niederlage der an 2 gesetzten Georgierinnen gegen die USA noch an Wert gewann.

Etwas enttäuschend unser 1,5-1,5 gegen Tschechien. Zwar setzte sich Elisabeth Pähtz bei ihrem ersten Einsatz gegen Petra Krupkova, ihre Klubkameradin beim deutschen Meister Dresdner SC durch, aber während Ketino Kachiani-Gersinska am Spitzenbrett trotz zwischenzeitlicher Vorteile diesmal nur remisieren konnte, war heute vor allem nicht der Tag von Jordanka Micic, die nach schwacher Vorstellung die erste deutsche Niederlage quittieren musste. Der ob der vier am Start befindlichen Großmeisterinnen erhoffte Zug nach oben lässt damit vorläufig noch auf sich warten.

2. Runde am 27. Oktober

Einzelergebnisse: olm02, olw02

Zwei Siege, aber keine Zufriedenheit brachte den deutschen Mannschaften die 2. Runde.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren war bei den Männern eine "echte" deutsche Mannschaft am Start, also ohne jeden "russischen Export" - was ich trotz möglicherweise fehlender political correctness um Gottes Willen nicht wieder falsch zu verstehen bitte. Artur Jussupow ist diesmal nicht mit von der Partie und Alexander Graf und Rustem Dautov pausierten nach ihren gestrigen Remisen. Trotzdem galten wir gegen die an 41 gesetzten Norweger als klarer Favorit, zumal den Nordlichtern ihr einziger Star, der ehemalige (Schach- und) Fussballnationalspieler Simen Agdestein, fehlte. Unter diesen Voraussetzungen nimmt sich das 2,5-1,5 bescheiden aus, auch wenn wir vom Kampfverlauf her mit dem knappen Sieg zufrieden sein müssen. Nicht viel passierte am Spitzenbrett bei Gausel-Lutz, überzeugend der Sieg von Jörg Hickl (der auf sein geliebtes 1. g3 verzichtete und mit dem Königsbauern eröffnete) gegen den in der Bundesliga bei Wattenscheid spielenden Leif Erlend Johannessen.

Aber an Brett 3 und 4 gerieten Klaus Bischoff und Thomas Luther (mit Weiß!) aus der Eröffnung heraus in Nachteil. Während Luther das Blatt in der Zeitnot seines Gegners noch wenden konnte, musste Bischoff gegen Lie die erste deutsche Niederlage quittieren. Nicht zum ersten Mal zeigte er gegen einen kompromisslos auf seinen König losgehenden Gegner Schwächen und wurde mit L:h7 und S:f6 hübsch exekutiert.

Nichts also diesmal mit den bei zurückliegenden Olympiaden und Mannschafts-Europameisterschaften langen Ungeschlagensein-Serien zu Beginn. Natürlich ist es bei einem 14-rundigen Turnier noch viel zu früh, um eine klare Linie zu erahnen, aber ich fürchte, dass wir diesmal mit kleineren Brötchen als in der jüngeren Vergangenheit zufrieden geben werden müssen.

Großer Auflauf am Brett von Garri Kasparow, der bei Russland-Weißrussland erstmals zum Einsatz kam. Unter so schlechten Bedingungen - keinerlei Absperrung an seinem Brett! - hat der Meister wohl schon viele Jahre (Jahrzehnte?) nicht mehr gespielt. Die Spieler aus aller Herren Länder - viele werden ihn zum ersten Mal live gesehen haben – rieben sich an seinem Brett und die Fotografen krochen ihm förmlich in die Nasenlöcher. Er verweigerte den pünktlichen Beginn und das Match begann mit 20 Minuten Verspätung, nachdem die Schiedsrichter die allerlästigsten Gaffer halbwegs im Griff hatten. Auch danach war Garri häufig noch kopfschüttelnd zu erleben, was seinem klaren Sieg gegen den immerhin gestandenen 2600er Alexandrow indessen keinen Abbruch tat. Das 3,5-0,5 gegen die Weißrussen ist ein gutes Ergebnis, das Russland zudem zu Ungarn aufschließen lässt. Die Magyaren gaben beim 3-1 gegen Vietnam zwei Remisen ab. Die an 3 gesetzen Ukrainer (Ponomarjow, Iwantschuk etc.) gewannen gar nur 2,5-1,5 gegen Usbekistan. Bei 40 Vierpunktern nach einer Runde gibt es sicher noch Mannschaften, die auch nach zwei Runden noch eine weiße Weste aufweisen, aber das ist zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht zu übersehen und später hoffentlich der gestern noch reichlich desorganisierten Olympiade-Website zu entnehmen.

Die deutschen Damen waren bei durchschnittlich knapp 200 Elopunkten mehr als Australien noch deutlicher favorisiert als ihre männlichen Kollegen. Auch hier ist der 2-1-Sieg somit nicht der Weisheit letzter Schluss. Ketino Kachiani-Gersinska, "Madame Zuverlässig" fuhr den einzigen Sieg für unsere Farben ein, Jordanka Micic und Jekaterina Borulja remisierten.

1. Runde am 26. Oktober

Einzelergebnisse: olm01, olw01

Die erste Runde einer Schacholympiade bringt erfahrungsgemaess die Paarungen David gegen Goliath. Die Mannschaften werden ihrem Elodurchschnitt (Brett 1-4 bei den Maennern, 1-3 bei den Damen) gemaess aufgelistet, dann spielt (bei z. B. 120 teilnehmenden Mannschaften) die erste Mannschaft der ersten Haelfte - 1 - gegen die erste Mannschaft der zweiten Haelfte - 61 -. Dann 2 gg. 62, 3 gg. 63 usw.

Dieses System produzierte heute die Spitzenpaarungen Russland-Costa Rica und Ungarn-Venezuela. Die Russen sind also an 1 gesetzt, was sie u. a. der Teilnahme von Garri Kasparow verdanken. Die Nr. 1 der Weltrangliste hatte zwar unlängst noch verkündet, unter den bestehenden Bedenkzeitregelungen (90 min/Partie plus 30 sek Bonus/Zug) an keiner Fide-Veranstaltung mehr teilnehmen zu wollen, aber wie das der meisten anderen Größen in der Schachwelt zählt auch das Wort Kasparows heutzutage nicht mehr.

Heute ließ sich der Crack nur kurz im Turniersaal sehen, um kopfschüttelnd das Geschehen an Brett 3 seines Teams zu verfolgen, an dem Alexander Morosewitsch gegen den jungen Alejandro Ramirez einen halben Zähler zum 3,5-0,5 seiner Mannschaft abgeben musste. Natürlich bleiben die Russen trotzdem klarer Turnierfavorit, auch wenn es nicht wenige Stimmen gibt, die die Teilnahme Kasparows für das "Unternehmen Goldmedaille" eher hinderlich bewerten - zuletzt hatte sich noch nahezu jeder im russischen Team gefreut, als Kasparow beim Match gegen den "Rest der Welt" steinalt aussah. So viel zur Beliebtheit Garris bei seinen (Mannschafts-)Kollegen.

Ebenfalls überraschend kommt die Teilnahme von Dortmund-Sieger Peter Leko für Ungarn. Auch er steht auf Kriegsfuss mit der Bedenkzeitregelung der Fide, bekam jedoch nach seinem Sieg beim Braingames-Kandidatenturnier einen derart bedeutenden Orden seines Landes verliehen, dass er sich aus patriotischen Gründen außer Stande sah, seine Teilnahme abzusagen. Mit ihm und Judit Polgar wollen die Ungarn, heute 4-0-Sieger gegen Venezuela, den Russen das Leben nicht nur schwer machen.

"Vize 2000"-Deutschland - an 8 gesetzt - startete mit einem 3-1 gegen Andorra. Auch im Schach werden die "Zwerge" immer stärker: Alexander Graf bekam am Spitzenbrett mit de la Riva immerhin einen 2500er vorgesetzt - Remis -, auch an 2 konnte Rustem Dautov die Verteidigung seines Gegners nicht durchbrechen. Siegreich blieben dagegen Jörg Hickl und Klaus Bischoff an 3 und 4, während Christopher Lutz und Thomas Luther zum Auftakt pausierten.

Bei den Damen sind die Chinesinnen auch ohne Xie Jun (Baby!) an 1 gesetzt. Dahinter Georgien mit Maja Tschiburdanidse und Russland. Die deutschen Damen folgen an 10. Zum Auftakt gab es einen relativ lockeren 3-0-Aufgalopp gegen Österreich.

Nach vielen Jahren der "Dunkelheit" gibt es wieder einmal eine Schacholympiade auf höchstem Niveau, die Rahmenbedingungen sind ausgezeichnet und auch (das goldene Herbst-)Wetter spielt mit. Einzig der Turniersaal ist etwas zu klein geraten, so dass ihn z. B. die pausierenden Spieler einer Mannschaft während einer Runde nicht betreten dürfen. Aber auch damit hat man umzugehen gelernt. Bekannte Tricks sind etwa das "Verlieren" der Kennung des Teamcaptains (der immer und überall rein darf) und das Überreichen des Ersatzes an einen pausierenden Spieler. So war neben Captain Uwe Bönsch heute im Spielsaal auch Uwe Bönsch alias Christopher Lutz zu sichten.

Eröffnung

Die 35. Schacholympiade wurde am 25. Oktober in Anwesenheit des slowenischen Ministerpräsidenten mit einem Feuerwerk über dem Bleder See eröffnet. Die Organisation macht bislang einen sehr guten Eindruck. Angemeldet sind ca. 130 Herrenmannschaften, von denen einige jedoch erst nach Zahlung der noch offenstehenden Beiträge durch ihre Föderationen teilnehmen dürfen.
Im Mittelpunkt der Sitzung der Mannschaftskapitäne stand die Frage der Dopingkontrollen. Geplant sind insgesamt ca. 40 Kontrollen, ein positiver Befund wird jedoch keinerlei Sanktionen nach sich ziehen. In diesem Sinne ist auch eine Verweigerung der Kontrollen möglich. 

Exzelsior Verlag: Nachrichten: Turnierberichte: Schacholympiade
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