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Wijk aan Zee

Vom 12 bis 26. Januar findet das Corus-Turnier in Wijk aan Zee statt. Die A-Gruppe erreicht Kategorie XVIII und wird von der Nummer vier und fünf der Weltrangliste, Michael Adams und Alexander Morosewitsch, angeführt. Die drei elostärksten Spieler fehlen - Garri Kasparow ist erkrankt, Wladimir Kramnik wollte ursprünglich im Februar sein Match gegen Fritz spielen, während Viswanathan Anand wohl wegen der Terminüberschneidung mit dem Finale der Fide-WM frühzeitig abgesagt hatte. Ruhetage sind am 14., 18. und 23. Januar.

Dirk Poldauf berichtet aus Wijk aan Zee

- Offizielle Seite: http://chess.lostcity.nl/corus2002/
- Partien im pgn-Format: 2002wijk.pgn

Wijk aan Zee 2002 1 2 3 4 5 6 7 8 9 0 1 2 3 4 Pkt. Platz
1 M. Gurewitsch 2641 x = = = = 0 = = = 1 0 0 = = 5,5 12.
2 P. Leko 2713 = x = 0 1 = = = = = = = 1 = 7 6.
3 J. Timman 2605 = = x 0 0 1 = = 0 = = = 1 = 6 7.-11.
4 J. Barejew 2707 = 1 1 x = = 1 0 1 1 = = 1 = 9 1.
5 A. Grischuk 2671 = 0 1 = x = = 1 = 1 0 1 1 1 8,5 2.
6 B. Gelfand 2708 1 = 0 = = x = = 1 = 0 0 = = 6 7.-11.
7 A. Drejew 2683 = = = 0 = = x = = 0 = 1 = = 6 7.-11.
8 A. Khalifman 2688 = = = 1 0 = = x = 1 = = 1 = 7,5 5.
9 J. Lautier 2687 = = 1 0 = 0 = = x 1 = = = 0 6 7.-11.
10 R. Kasimdshanow 2695 0 = = 0 0 = 1 0 0 x = = 1 0 4,5 13.
11 M. Adams 2746 1 = = = 1 1 = = = = x = = = 8 3.-4.
12 J. Piket 2659 1 = = = 0 1 0 = = = = x = 0 6 7.-11.
13 L. van Wely 2697 = 0 0 0 0 = = 0 = 0 = = x 0 3 14.
14 A. Morosewitsch 2742 = = = = 0 = = = 1 1 = 1 1 x 8 3.-4.

13. Runde

Piket-Leko remis, Khalifman-Gelfand remis, Adams-Timman remis, Lautier-Grischuk remis, Kasimdshanow-Barejew 0-1, Drejew-Morosewitsch remis, van Wely-Gurewitsch remis

Er hat es geschafft. Jewgeni Barejew hat nach langer Zeit mal wieder ein grosses Turnier gewonnen. Er habe davon profitiert, dass alle gegen ihn gewinnen wollten, sagte der Moskauer auf der Pressekonferenz mit dem von ihm gewohnten Understatement. Auf seine heutige Partie mit Rustam Kasimdshanow traf das in der Tat zu, denn der Usbeke wollte sein verkorkstes Turnier offenbar mit einer Schönheitspartie retten und opferte zu Barejews grossem Erstaunen eine Figur - inkorrekt. Kasim verfiel gleich danach in langes Nachdenken. Zu spät. Schwarz wehrte alle Drohungen kühl ab und gewann vor gewohnt grosser Zuschauerkulisse. Kurze Zeit später musste Barejews punktgleicher Hauptkonkurrent Alexander Grischuk gegen Joel Lautier ins Remis einwilligen.

Die letzte Partie der Mammutverantstaltung zu Wijk aan Zee läuft noch. Drejew und Morosewitsch müssen sich sputen, wenn sie rechtzeitig zur um 19.30 Uhr angesetzten Abschlussfeier erscheinen wollen. Oder mögen sie die traditionelle Wijker Erbsensuppe nicht? Turm und drei Bauer gg. zwei Springer und drei Bauern. Der mit einer Gruppe französischer Schachfreunde in Wijk weilende Vater von Etienne Bacrot fragte mich, ob ich in dieser Stellung lieber Weiss oder Schwarz haben würde. Ich konnte das nicht beantworten. Aber mit einem Sieg könnte Morosewitsch das Turnier mit einem geteilten zweiten Platz abschliessen. Verdient waere es allemal. Aber entscheidend ist dies nicht. Denn es ging einzig und allein um den Sieg in einem Turnier ohne die grossen Drei Kasparow, Kramnik und Anand. Und der ging an Barejew!

12. Runde

Gelfand-Drejew remis, Morosewitsch-van Wely 1-0, Leko-Adams remis, Grischuk-Khalifman 1-0, Barejew-Lautier 1-0, Timman-Kasimdshanow remis, Gurewitsch-Piket 0-1

20.05 zeigte die Hallenuhr des Dorpshuis des Moriaan, als Joel Lautier nach sechseinhalb Stunden Spielzeit die Uhr anhielt. Das Turmendspiel gegen seinen Freund und Sekundantenkollegen im Dienste von Weltmeister Kramnik war schon lange vorher klar verloren.

Aus dem Spitzenquartett von gestern ist vor der morgigen abschliessenden Runde ein Moskauer Duo geworden. Neben Barejew hievte sich zuvor schon Alexander Grischuk auf acht Punkte. Er schlug Alexander Khalifman, der nach einem Qualitätsopfer gut stand, die Partie jedoch vor kurz vor der Zeitkontrolle mit einigen ungenauen Zügen verdarb.

Am lustigsten war heute die Partie Morosewitsch-van Wely. Allerdings nicht für Letztgenannten. Er wiederholte mit Schwarz die Variante aus der gestrigen Partie Khalifman-Barejew. Damit hatte Barejew nur 20 Züge geschafft, bevor er aufgab. King Loek brachte es fertig, schon einen Zug früher das Handtuch zu schmeissen. "Moro" kann damit morgen vielleicht auch noch zur Spitze aufschliessen.

Selbiges trifft auf Adams zu, der heute allerdings Glück hatte, dass Peter Leko ihn entwischen liess. Was der Mann aus Szeged hier an Chancen ausliess, geht auf keine Kuhhaut. Entscheidend wird für ihn jedoch im Juli die WM-Qualifikation der Firma Braingames in Dortmund sein. Leko-Manager und Turnierorganisator Carsten Hensel verkündete gestern die frohe Botschaft, dass die Finanzierung der Veranstaltung durch den Einstieg der Multimedia-Gruppe Einstein Group plc. bei Braingames gesichert sei.

11. Runde

Adams-Gurewitsch 1-0, Lautier-Timman 1-0, Drejew-Grischuk remis, Khalifman-Barejew 1-0, Gelfand-Morosewitsch remis, Piket-van Wely remis, Kasimdshanow-Leko remis

Held des Tages war Alexander Khalifman, der den Spitzenreiter Jewgeni Barejew in einer Kurzpartie schlug. "Ja, ich werde die Partie in einer Stunde im Pressezentrum zeigen," sagte er mir auf meine diesbezügliche Frage auf deutsch. "Aber eigentlich gibt es nichts Besonderes zu zeigen", fügte er hinzu.

Seine Vorführung werde nur kurz ausfallen, weil auch die Partie kurz war, leitete er seinen Vortrag sehr aufgeräumt ein. Sein Problem war, sich an eine lange zurückliegende Heimanalyse zu erinnern. Er entsann sich nur nur der Einschätzung: "Weiss steht besser". Den Rest musste er am Brett finden. Und das gelang auch. Ein effektvoller Mattangriff. Wirklich schön anzusehen.

Damit zählt "El Khalif", der wie in alten Zeiten wieder Bart und Tolle trägt, zwei Runden vor Schluss zum Spitzenquartett, dem ausser ihm Barejew, Grischuk und Mickey Adams angehören, der in einem unübersichtlichen Figurengeknautsche Michail Gurewitsch auskurbelte, der irgendwann einfach die Übersicht verlor.

Einen schweren Tag hatte Grischuk zu überstehen. Er stand gegen Drejew mit dem Rücken zur Wand, während sein Trainer Anatoli Bychowski draussen laut lamentierte: "König in der Mitte, alle weissen Figuren spielen, alles aus, erster Platz futsch." Die Einwände von Edelkiebitz Sergej Tiwjakow, auf einen Sprung gemeinsam mit Johan Zwanepol von Groningen herübergekommen, wischte Bychowski einfach beiseite. Allerdings konnte sein Schützling den Drejewschen Vorteil Zug für Zug neutralisieren und im Springerendspiel das Remis fixieren. Als Trainer und Schüler um 20.00 Uhr in den obligatorischen Wijker Nieselregen traten, konzentrierten sich die Sorgen des ersteren bereits darauf, wo man zu so später Stunde noch zum Abendessen einkehren solle.

Peter Leko spielte heute mit Schwarz remis gegen Rustam Kasimdshanow. Er versuchte letzlich noch einiges im Gewinnsinne, musste jedoch in das als Notvariante bereitgehaltene remisliche Endspiel mit Minusbauer einlenken. "Ich habe dieses Grünfeld-Endspiel bereits gegen Kasparow und Khalifman remisiert. Ich habe nicht gedacht, dass es noch jemand versuchen würde. Jetzt kommt der dritte K wieder mit dieser Variante. Sie haben ihm gesagt, dass er remis machen soll." Mit sie meinte der Magyare die Konkurrenten, die den Turniersieg jetzt ohne ihn ausmachen werden.

10. Runde

Barejew-Drejew 1-0, Morosewitsch-Piket 1-0, Grischuk-Gelfand remis, Leko-Lautier remis, Gurewitsch-Kasimdshanow 1-0, Timman-Khalifman remis, van Wely-Adams remis

Auch ohne Kasparow wird in Wijk aan Zee Schach gespielt. Und beleibe kein schlechtes. Heute war ein regelrechter Kampftag. Mir und den vielen hundert Zuschauern hat es gefallen. Nach etwa zwei Stunden hätte ich gewettet, dass beide Spitzenreiter - Jewgeni Barejew und Alexander Grischuk - mit Weiss verlieren werden.

Grischuk sah sich mit einem höchst gefährlichen Figurenopfer Gelfands konfrontiert. Er dachte zeitweilig schon, dass es aus wäre, konnte den Kopf aber aus der Schlinge ziehen. Danach wandte er alle Aufmerksamkeit der Partie sener Moskauer Kollegen Barejew-Drejew zu.

Barejew schien durch 20... Sb6! überrascht und driftete in eine haarsträubende Zeitnot. Er überlebte diese kritische Phase mit Ach und Krach (3 Sekunden für den Kontrollzug) und hatte nach dem 40. Zug Kompensation für einen Minusbauern. Nach einigen für meine Begriffe komischen Manövern brachte er sich m. E. in Bedrängnis. Kaum hatte ich einem Bekannten erläutert, warum Drejew jetzt wahrscheinlich doch noch gewinnen werde, da stellte dieser die Partie ein.

Nach dem 60. Zug ging dann auch Grischuk. Er hatte genug gesehen, denn Barejew hatte eine Figur mehr. Das Ende war aber noch hoch dramatisch, denn beiden Akteuren lief die Zeit davon. Immerhin ist Drejew ein abgezockter Blitzspezialist. Am Ende waren beide unter einer Minute für den Rest der Partie. Doch Barejews König und Dame stand ein nackter Drejewscher König gegenüber. Drejew machte noch zwei, drei Züge (Barejew hatte noch 40 Sekunden) streckte dann die Hand hinüber und rauschte dann kommentarlos und mit finsterer Miene durch den langen Gang der Moriaan-Sporthalle davon, im Schlepptau Helfer Prochorochow. Zehn Schritt dahinter ein selig lächelnder Shenja Barejew. Er hat nun die alleinige Führung inne. Caissa ist ihm bisher hold gewesen. Kann er das Turnier gewinnen?

Aber auch Alexander Morosewitsch, der m. E. bisher ausgezeichnet spielte und dafür aber nicht ausreichend belohnt wurde, ist noch nicht abzuschreiben. So weit ich weiss, ist sein Sieg gegen Piket heute mit dem Zuschauerpreis ausgezeichnet worden. Vorführen mochte er die Partie im Pressezentrum aber nicht. Sie hätten lange Theorie gespielt (Russisch) und dann hätte Piket einen groben Fehler gemacht. Mehr sei sonst nicht los gewesen.

9. Runde

Grischuk-Morosewitsch 1-0, Adams-Piket remis, Khalifman-Leko remis, Drejew-Timman remis, Lautier-Gurewitsch remis, Gelfand-Barejew remis, Kasimdshanow-van Wely 1-0

8. Runde

van Wely-Lautier remis, Piket-Kasimdshanow remis, Gurewitsch-Khalifman remis, Barejew-Grischuk remis, Morosewitsch-Adams remis, Leko-Drejew remis, Timman-Gelfand 1-0

7. Runde

Kasimdshanow-Adams remis, Drejew-Gurewitsch remis, Gelfand-Leko remis, Barejew-Morosewitsch remis, Grischuk-Timman 1-0, Khalifman-van Wely 1-0, Lautier-Piket remis

6. Runde

van Wely-Drejew remis, Piket-Khalifman remis, Leko-Grischuk 1-0, Timman-Barejew 0-1, Adams-Lautier remis, Morosewitsch-Kasimdshanow 1-0, Gurewitsch-Gelfand 0-1

5. Runde

Gelfand-van Wely remis, Barejew-Leko 1-0, Timman-Morosewitsch remis, Khalifman-Adams remis, Grischuk-Gurewitsch remis, Drejew-Piket 1-0, Lautier-Kasimdshanow 1-0

4. Runde

Piket-Gelfand 1-0, Kasimdshanow-Khalifman 0-1, Adams-Drejew remis, Leko-Timman remis, Gurewitsch-Barejew remis, Morosewitsch-Lautier 1-0, van Wely-Grischuk 0-1

3. Runde

Leko-Morosewitsch remis, Timman-Gurewitsch remis, Barejew-van Wely 1-0, Grischuk-Piket 1-0, Gelfand-Adams 0-1, Khalifman-Lautier remis, Drejew-Kasimdshanow 0-1

2. Runde

Lautier-Drejew remis, Morosewitsch-Khalifman remis, Adams-Grischuk 1-0, Kasimdshanow-Gelfand remis, van Wely-Timman 0-1, Gurewitsch-Leko remis, Piket-Barejew remis

1. Runde

Gurewitsch-Morosewitsch remis, Leko-van Wely 1-0, Timman-Piket remis, Barejew-Adams remis, Grischuk-Kasimdshanow 1-0, Gelfand-Lautier 1-0, Drejew-Khalifman remis

 

Exzelsior Verlag: Nachrichten: Turnierberichte: Wijk aan Zee 2002
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