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Von Dr. Michael Dreyer
Lasker (Berlinchen 24.12.1868 - 11.1.1941 New York), hat als zweiter offizieller und einziger deutscher Schachweltmeister den Titel 27 Jahre lang getragen - länger als jeder andere Spieler der Schachgeschichte.
1889 hatte der aus einer armen jüdischen Familie in der brandenburgischen Provinz (heute Barlinek, Polen) stammende Lasker im Breslauer Hauptturnier des Deutschen Schachbundes den Meistertitel errungen, und schon wenig später, 1894, bezwang er den favorisierten Titelverteidiger Steinitz im Wettkampf um die Weltmeisterschaft. Der erste Auftritt in einem großen europäischen Meisterturnier brachte dem frischgebackenen Weltmeister einen Mißerfolg: in Hastings 1895 mußte er sich mit dem 3. Rang begnügen, hinter Pillsbury und Tschigorin. Aber unmittelbar danach beginnt eine glänzende Siegesserie: St. Petersburg 1895/96, Nürnberg 1896, London 1899, Paris 1900, St. Petersburg 1909 und 1914, Berlin 1918 - in allen diesen bedeutenden Turnieren siegt der Weltmeister, zum Teil mit drückender Überlegenheit. Nur 1909 teilt er den 1. Preis mit Rubinstein, und nur in Cambridge Springs 1904, wo er gemeinsam mit Janowski den 2./3. Preis erringt, muß er in Marshall einem Konkurrenten den Vorrang lassen. Daneben stehen, nicht minder glänzend, die Kämpfe um die Weltmeisterschaft. Steinitz (1896), Marshall (1907), Tarrasch (1908), Janowski (1909 und 1910) und Schlechter (1910) können zusammen gegen ihn nur sieben Partien gewinnen und 30 remisieren, während Lasker 42 Siege erzielt - allerdings hätte Schlechter ihn beinahe bezwungen.
1921 findet Lasker seinen Nachfolger, als Capablanca ihn auf Kuba mit 4:0 bei 10 Remisen bezwingt. Aber der Mißerfolg ist nur vorübergehend; in Mährisch-Ostrau 1923 und New York 1924 siegt Lasker erneut; in New York vor Capablanca. In Moskau 1925 muß er zwar Bogoljubow an sich vorüberziehen lassen, verweist aber Capablanca auf den 3. Rang. Moskau sollte für einige Jahre das letzte Turnier Laskers bleiben; nach seinem 60. Geburtstag kündigt er seinen Abschied an. Erst nachdem die Nazis in Deutschland herrschen, kehrt der nunmehr heimatlose Mittsechziger in die Arena zurück und erzielt in seinen letzten Turnieren mehr als nur Achtungserfolge: Zürich 1934 (5. Rang), Moskau 1935 (3.) und 1936 (6.) und schließlich Nottingham (7./8.) - selbst in Nottingham ist Laskers Leistung größer, als sie aussieht, denn vom 1. Rang trennen ihn nur 1,5, vom 9. aber 2,5 Punkte.
Neben dem aktiven Schach steht für Lasker immer seine wissenschaftlich-intellektuelle Laufbahn. 1900 promoviert er in Erlangen zum mathematischen Dr. phil. und veröffentlicht in diesen Jahren zahlreiche fachwissenschaftliche Aufsätze. Zwischen 1907 und 1940 folgen acht philosophische und sozialwissenschaftliche Bücher und zahlreiche Aufsätze. Natürlich ist Lasker auch als Schachautor aktiv; in Deutschland, England und den USA gibt er Schachzeitungen heraus, für zahlreiche Tageszeitungen in vielen Ländern liefert er Schachspalten, nach den Wettkämpfen mit Tarrasch und Capablanca legt er Wettkampfbücher vor und nach St. Petersburg 1909 ein gleichzeitig auf deutsch, englisch und russisch erscheinendes Turnierbuch. Hinter diesen Arbeiten steht die Schachphilosophie Laskers, die aber vor allem in den beiden Hauptwerken entwickelt wird: Common Sense in Chess (1895, dt. Gesunder Menschenverstand im Schach, 1925) und das Lehrbuch des Schachspiels (1925) erleben bis heute zahlreiche Auflagen und die Übersetzung in viele Sprachen.
Ob Laskers letzte Worte wirklich "König des Schachs" lauteten, wie seine Frau Martha berichtet, bleibe dahingestellt. Aber sie wären berechtigt gewesen.
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